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Recherche: Fair vergütet?

Seit etwas über einem Jahr gibt es die allgemeinen Vergütungsregeln für hauptberuflich freie Journalisten an Tageszeitungen. (Zeitschriften läuft). Abgesehen von der monströsen Bezeichnung: Hat sich damit etwas verändert? Bilden die Vergütungsregeln die Realität ab und werden sie dem Qualitätsjournalismus überhaupt gerecht? Im Rahmen einer Recherche für einen Kunden mache ich mir gerade diese Gedanken?

Die Zeitungshonorare sind zum Teil auf dem Tiefstand. Minimalsummen für Text, Pauschalen ohne Urlaub oder Fotolöhne im Fünf-Euro-Bereich – gängige Raten auch für die Hauptberuflichen. Gleichzeitig wird von der Wichtigkeit des Printjournalismus und der Qualität geredet, doch direkt danach werden in Sparrunden nicht nur die Redakteure, sondern auch die Honorartöpfe geleert.

Was ist angemessen, was ist nötig für freien Qualitätsjournalismus?

Wer zu dem Artikel für eine Tageszeitung beitragen möchte, kann dies gerne in den Kommentaren tun oder mir über das Kontaktforumlar eine Mail schicken. Auf Wunsch wird das Ganze natürlich auch anonymisiert.


Freelancer: Arbeiten in der Wolke

Ich gebe ja zu, dass es hier etwas ruhig war die Tage. Ich war unterwegs und hatte dazu noch viel auf dem Zettel. So oder so – ich konnte das Mobile Working ausprobieren. Das nur, weil es doch auch einmal in auswärts gehen muss. Aber ernsthaft: Heute kann man als Journalist von der viel beschworenen Cloud wirklich profitieren.

Denn was passiert, wenn man mal privat unterwegs ist und ein Kunde den Freien anruft? Will man den Kunden verprellen oder eben bei gut abschätzbarem Aufwand ein Honorar erarbeiten? In bevorzuge oft letzteres, wenn auch nicht immer. Doch was sollte ich machen? Ich hatte mein Handy dabei, aber keinen PC Laptop.

Nun gab es die glückliche Fügung, dass der DJV in Bremen ein Büro hat und ich dort einen Rechner kurzzeitig belegen konnte. Und hier kommen die Vorteile ins Spiel: Mein Archiv liegt in der Cloud. Damit ist man wirklich überall arbeitsfähig.

Dateien aller Art: Dropbox

Die Dropbox habe ich als Dateiablage für die Originalfassungen meiner Texte und auch von Bildern und Audios eingerichtet. Das Modul synchronisiert dabei einen Ordner im Dateisystem des Rechners mit einem Online-Speicher. In der kostenlosen Version, die es für Mac, Windows und Linux sowie iPhone und Android gibt, sind zwei Gigabyte mit drin, was zumindest für meine Zwecke vollkommen ausreicht. Hier habe ich alles Wichtige geparkt, aber eben nicht nur hier. Denn das wirkliche Archiv ist ein anderes.

Evernote: Das Gedächtnis

Ich liebe Evernote. Das System ist eigentlich ein Notizkasten, der aber alles kann, was man für ein originales Archiv benötigt: Ablage in (bei mir) thematisch organisierten Notizbüchern, Schlagworte, Durchsuchbarkeit von PDF-Dateien und viel mehr. Der Einfachheit halber verweise ich mal auf ein Themenstück von mir. Auch hier ermöglicht eine Kopie auf der eigenen Festplatte das Offline-Arbeiten enorm.

Office geht auch im Netz

Nun muss der Text nur noch geschrieben werden. Im Büro habe ich gerade wieder von LibreOffice und Thunderbird zu MS Office geswitcht. Das liegt vor allem am besseren Workflow, den mir das ganz persönlich ermöglicht, aber das ist ein anderes Thema. Gleichwohl habe ich das Problem, dass viele Texte eben nun im ODF-Format vorliegen, iPhone und Co. das aber nicht ohne weiteres öffnen können. Doch selbst das ist kein Problem. Datei laden, in Google Docs (hier heißt es ja Text& Tabellen) laden, kurz warten und alles ist offen und nutzbar. Genial. Und wer will, kann auch gleich schreiben. Komfortabler geht es nicht (auch wenn ich die Datenschutzdebatte sehr wohl verfolge.

Kurzum: Man benötigt nur noch einen Rechner und hat mit der Cloud echte Vorteile als freier. Oder?


Post geht unter die Journalismus-Makler

Schickes Design mit guter Idee: DieRedaktion.de

Die Post steigt in den Journalismus ein. Mit dem Internetangebot „Die Reaktion“ ist der Brief- und Paketdienstleister unter die Makler gegangen. Mit einem durchaus interessanten Angebot für Profis.Sinn und Zweck ist es, Journalisten und Verlage sowie Unternehmen für Artikel, Corporate Publishing und auch Werbung zusammenzubringen und Aufträge zu vermitteln. Das macht das auf der CeBit in Hannover präsentierte Protal sehr gefällig und optisch ansprechend. Und schon bei der Registrierung und dem Ausfüllen des Profils wird der professionelle Anspruch erkennbar – sind doch sowohl Springer als auch der DJV Partner des Projekts.

Denn neben den üblichen AGB-Häckchen muss das neue Mitglied auch den Pressekodex akzeptieren. So soll Qualität gesichert werden. Danach gehören die Angaben von Rechnujngsanschrift, Steuernummer, KSK-Mitgliedsnummer und ein Upload des Presseausweises zur Pflicht, um ein Angebotsprofil anlegen zu können. Und selbst dann ist man noch nicht endgültig bereit, mitzumachen. Erst muss der Nutzer per Post-Ident-Verfahren eindeutig identifiziert werden.

Das ist aber in Ordnung, geht es doch um etwas. Über die Plattform werden Verträge abgeschlossen. So bietet ein Unternehmen 300 Euro für 5000 Zeichen pro Text (ein anderes aber 50 für 10.000 Zeichen, was hoffentlich ein Tippfehler ist oder zum Ausschluss führt). Auf den Auftrag kann man sich direkt darunter bewerben, der Auftraggeber entscheidet. Freilich macht die Post das nicht für kostenlos: 15 Prozent des Honorars werden als Provision fällig. Verkauft ein Freier einen Text sind es sogar pro Lizenz 25 Prozent.

Das ist das zweite Standbein: Freie können nicht nur neue Aufträge suchen, sondern schon vorhandenes Material in verschiedenen Formen zweitverwerten. Das Interessante an dem Konzept ist der Freigabemechanismus. Der potentielle Käufer sieht nur das Exposé und muss schon die Langfassung anfordern. Volle Kontrolle für den Autoren scheint das zu gewähren – ich muss es aber erst einmal ausprobieren.

Auch die Honorierung soll gesichert sein, was in der freien Wildbahn ja nun wirklich nicht immer vorkommt, schreibt das Freienblog des DJV:

Wenn ein Verlag oder sonstiger registrierter Nutzer die Rechte am Beitrag erwirbt, leistet die Post durch Forderungskauf an den Autoren vor (so genanntes Factoring), will heißen: Das Geld kommt von der Post. Das Risiko des Zahlungsausfalls oder der verspäteten Zahlung liegt allein bei der Post.

Und weiter:

Das System bietet technisch versierteren Kollegen auch die Möglichkeit, für ihre Beiträge auf DieRedaktion.de zu werben. Dazu kann die Möglichkeit genutzt werden, ein „Widget“ einzurichten, das dann auf der eigenen (oder einer befreundeten) Internetseite eingebunden wird.

Hintergrund: Was hat die Post vor?

„Die Post selbst will kein Verlag werden, sondern als innovativer Dienstleister für die Presse wirken“, betonte Post-Vorstandsmitglied Jürgen Gerdes auf einer Pressekonferenz während der CEBIT in Hannover. Er betonte, das Angebot diene der Wahrung des Qualitätsjournalismus, da es Verlagen und freien Journalisten zusätzliche Einnahmequellen durch Mehrfachverwertung ermögliche.

Na dann mal los.


Freelancer: Zwischen den OS-Fronten

Ja, ich habe es getan. Seit Mittwoch nennen ich ein iPhone mein eigen, eines der vierten Generation und damit von Apple. Lange habe ich gezögert, mir das zuzulegen, aber nun ist es halt soweit.

Und was soll ich sagen, mein Steve (nee, heißt ganz klassisch „Franks iPhone“) ist ein feines Gerät. Der eine oder andere mag mir nun vorwerfen, dass ich zu reich bin (teures Handy plus Vodafone-Vertrag), der andere, dass Android doch viel besser ist.

Aber ehrlich, das ist mir egal. Das iPhone entspricht meinen Vorstellungen. Inzwischen habe ich mich mit Apps eingedeckt, die mehr oder weniger sinnvoll (und alle gratis) sind und das Telefon nach nur wenigen Stunden flüssig bedienen gelernt. Versucht das mal mit Windows.

Jetzt erwäge ich sogar, einen Schritt weiter zu gehen. Ich werbe ja um Kunden im Bereich des Corporate Publishing, um deren Vereins-, Verbands-, Kunden- oder sonstige Zeitschriften zu produzieren. Das ist ehrenwerte und auch journalistische Arbeit, nur der Herausgeber ein anderer. Diese Arbeit wiederum erfordert eine neue Ausstattung in meinem Büro.

Bislang bin ich sehr gut mit meinem Samsung N150 gefahren. Das ist ein kleines Netbook, ultramobil und für einen Schreiber vollkommen ausreichend. Mit Tastatur, Maus und Monitor unter Windows 7 reicht es für die Bürobelange vollkommen aus. Nicht aber für die Produktion von auch nur irgend etwas Grafischem.

Deshalb suche ich nach einem neuen System. Zur Wahl ein hochgezüchteter Windows-Rechner samt Microsoft-Betriebssystem oder ein iMac von Apple mit Mac OS X. Ich bin leidenschaftslos, Hauptsache ich kann damit arbeiten. Der Preis ist ebenfalls zweitrangig. Abschreiben muss ich das System sowieso über Jahre.

Also habe ich mich mal schlau gemacht. Dabei habe ich in Magazinen gelesen, im Netz unter anderem Caschys Wechsel in die Mac-Welt verfolgt und Leute gefragt. Interessant sind die Glaubenskriege zwischen den Anhängern der beiden Welten.

Die Entscheidung ist noch nicht gefallen, ihr dürft mir gerne Empfehlungen geben. Macs sollen den Vorteil haben, immer gleich schnell zu sein. Das OS ist wohl sehr intuitiv, durchdacht. Stylisch sind die Dinger sowieso. Als Software soll übrigens überwiegend OpenSource laufen: OpenOffice.org oder LibreOffice, GIMP und Scribus.

Hach, das ist schwierig. Ich wäre für Empfehlungen dankbar.


Aufstehen für Freie fällt doch aus

Na klasse. Dann klingelt die Kasse ja bald: Der Deutsche Journalistenverband (DJV) und die Deutsche Journalisten-Union in Verdi (dju) haben alle Redakteure aufgerufen, am Freitag im Rahmen eine „Stand Up“-Aktion über die Vergütungssituation freier Journalisten  zu diskutieren. (Nebenbei: Entschuldigung für diesen Monstersatz…) Seit Februar gelten tarifvertraglich vereinbarte, sogenannte faire Vergütungsregeln, die angemessene Bezahlung sicherstellen sollen.

Darüber also sollen die Redakteure diskutieren. Das ist fein, das macht das Problem vielleicht bewusst. Wohl eher aber nicht, und wenn, dann wird es nichts bringen.

Denn es sind die Verlagsleitungen und durchaus auch Chefredakteure, die nicht willens sind, ein entsprechendes Honorar für hauptberuflich freie Journalisten auf die Abrechnung zu heben. Die einzelnen Redakteure haben überhaupt keinen Einfluss auf die Entlohnungen. Außerdem sind sie selbst gerade einmal wieder in Tarifauseinandersetzungen, bei denen die Verleger kräftig zuschlagen wollen – freilich in die andere Richtung. Und da sich jeder selbst der Nächste ist, stehen die Freien einmal mehr hinten an.

Hinzu kommt noch ein ganz anderes Problem. Nämlich die vielen Nebenbeischreiber, die die Redaktionen stürmen und für ihre publizistischen Gedanken auch unwürdige Honorare in Kauf nehmen – wichtiger ist es, den Namen in der Zeitung zu lesen. Diese oft als Lehrer tätigen Nebenjobber zerstören jedes Preisgefüge und sorgen so dafür, dass es eine Auseinandersetzung um eine angemessene Bezahlung erst nötig wird. Denn die Etatplaner freuen sich darüber, kostet doch eine Zeile da dann nur noch zum Beispiel 0,30 Euro statt 0,63 Euro. Das rechnet sich – nur nicht für die Freien. 63 Euro für 100 Zeilen? Auf die Jagd danach geht nicht mehr jeder. Qualität ist dabei noch eine ganz andere Frage. Deshalb wollen die :freischreiber sogar mindestens einen Euro pro Zeile, was in der Tat angemessen wäre.

Ein Beispiel ist hier zu finden:

Ein anderes Gespräch in dieser Woche: Es geht um jemanden, der als Freier über die Runden kommen will/muss. Und um ein Angebot aus einem ebenfalls nicht ganz kleinen Zeitungshaus. Ein Job auf Basis von Tagessätzen. Der Satz soll sich auf 120 Euro belaufen, natürlich noch vor Steuern. 15 Euro also will das Haus pro Stunde bezahlen, wenn man ordentlich von acht Stunden am Tag ausgeht. Weil das aber nicht zwingend der Fall sein muss, kann sich der Stundensatz also noch nach unten reduzieren. Im ersten Moment unseres Gesprächs kommt mir dieser Tagessatz bizarr niedrig vor, danach rechne ich nach: Geht man von 20 Arbeitstagen im Monat aus, wären das 2400 Euro im Monat, schon also etwas mehr als jene gut 2000 Euro, die nach den letzten Statistiken als Durchschnittsverdienst eines freien Journalisten in Deutschland errechnet worden sind. Krank sein oder mal Urlaub machen darf jemand, der so bezahlt wird, allerdings nicht.

Denn selbst bei den Vergütungsregeln, in meiner Region von so gut wie allen ignoriert keinem befolgt, ist eines so gut wie unmöglich: Eine grundlegende, ausführliche Recherche. Die kostet Zeit – Zeit, in der keine Einnahmen generiert werden. Das kann man sich nur leisten, wenn man Corporate-Publishing-Aufträge hat oder sogar PR betreibt. Das sichert das Einkommen, der Journalismus verkommt aber zum Hobby.

Das ist schade. Und für die Branche schädlich und in gewissen Maße sogar verächtlich. Nur aufstehen wird dafür wohl niemand, der einen Gehaltstarifvertrag mit nettem, regelmäßig steigendem Salär hat.

Und berichten auch nicht.