Kategoriearchive: Flimmerkiste

Raab mit Rekord – mangels Konkurrenz

Dieses Ergebnis beeindruckt – zumindest Rupert Sommer, Autor beim Branchendienst kress.de: Stefan Raab hat gestern Abend mit seiner preisgekrönten, für mich aber totlangweiligen  “Schlag den Raab“- Sendung 30,4 Prozent Marktanteil geholt. Sensationell findet das der Kress-Autor. Fünf Stunden, bis 1:30 Uhr dauerte die Qual, die mit Steven Gätjen einen neuen Moderator bekommen hat, was der  Überschrift unverständlicher Weise den Begriff „Not-OP“ einbrachte.

Überrascht bin ich freilich von der Überraschung der Kressianer. Denn gegen wen und was hat sich Raab denn durchgesetzt, der zuletzt sowohl gegen Thomas Gottschalk als auch gegen DSDS angetreten ist und beide Male recht alt aussah. Konkurrenz jedenfalls gab es am Samstag nicht.

Hier das Programm von gestern, 20.15 Uhr:

  • ARD: Das Sommerfest der Rekorde
  • ZDF: Kommisarin Lucas
  • N3: Ein Abend für Hans-Joachim Kulemkampff
  • Sat.1: Urmel aus dem Eis
  • RTL: Die 25 spektakulärsten TV-Momente der Welt
  • Vox: Wolkenkratzer Burj Khalifa

Den Rest spare ich mir mal. Hier übrigens noch die Zahlen für Pro Sieben nach Kress:

Sender Sendung Zeit Zusch. in Mio 14-49 Jahre Zusch. in Mio ab 3 Jahre MA in % 14-49 Jahre MA in % ab 3 Jahre
© kress.de
Quelle: kress-Recherche auf Basis AGF/GfK
1. PRO7 Schlag den Raab 20:14:34 2,21 3,24 30,4 17,9

RTL und die DSL-Verträge

Oh oh, RTL testet bei Punkt 12 mal wieder: So kann man feststellen, ob man die vertraglich zugesicherte Geschwindigkeit seines DSL-Anschlusses auch wirklich erhält.

Kommt gleich.

Schade nur, dass die vertragliche Zusicherung immer nur „bis zu“ ist. Heißt, dass die Provider sich natürlich absichern und sagen, dass zum Beispiel 6 MBit/sec wie bei mir maximal sind. Aber es auch gerne eigentlich mal ISDN-Geschwindigkeit sein kann. Ist alles legitim und „vertraglich zugesichert“.

Da schaue ich mir den Test doch jetzt gleich einmal daraufhin an.


Helena Fürst – die unmögliche Frau

Helena Fürst ist eine Frau, die polarisiert. Seit einiger Zeit ist sie auf RTL im Mittagsmagazin als „Anwältin der Armen“ in „Punkt 12″ unterwegs, seit gestern Abend will sie im Abendprogramm auch angeblich helfen, wenngleich die Sendung nicht wirklich erfolgreich gestartet ist. Mal abgesehen von der Optik, die so ganz und gar nicht meinem Geschmack entspricht und irgendwie seltsam ist, stört mich vielmehr die Art und die Kehrtwende der sogenannten Fachfrau.

Denn die Berlinerin, die heute Hartz-IV-Empfängern helfen will, war nicht immer sonderlich gut auf die Armen zu sprechen. Denn 2008 noch startete sie als Fahnderin in „Gnadenlos gerecht“ auf Sat.1, kanzelte damals die Betroffenen ab und unterstellte zumindest unterschwellig Betrug bei allen Besuchten.

Schon damals trat die laut ihrer Facebook-Seite staatlich geprüfte Betriebswirtin rabiat und heftig auf. In ihrer Premieren-Coaching-Sendung allerdings wurde es zum Teil richtig heftig, die bild.de (ja, manchmal lese ich die) berichtet. Und das passt ins Bild.

Der Konstanzer Landrat Frank Hämmerle zu BILD.de: „Für die Außenstelle des Jobcenters in Singen gab es wohl keine Dreherlaubnis. Es gab aber eine Drehgenehmigung für das Landratsamt in Konstanz, wo ich vor laufenden Kameras knapp zwei Stunden interviewt wurde. Diese Szenen wurden nicht gezeigt. Stattdessen wurde in der Sendung nur eine nachgestellte Szene gezeigt.“

In der gab es dann nur Krawall. Auch eine Form von Betrug, oder?


Gehirnschmelze, reloaded

Da ist meine Denkeinrichtung nach längerer Zeit so gerade wieder in Fahrt, da kommt der nächste Klopper im TV: Ich bin beim Zappen für fünf Minuten bei Big Brother hängen geblieben. Und ehrlich – ich habe ziemlich schnell ein komisches Rauschen im Kopf gehabt, ein Hall und ein dumpfes Plätschern. Hat sich angefühlt wie Gehirnschmelze.

Wer zum Teufel hält das bloß aus?


Lena kills the DSDS-“Star“

Ich bin bekennend kein Fan von DSDS. Ich mag den Hype nicht, die Show ist krawallig und setzt nur auf billige Effekte. Klar, viele Kandidaten können leidlich trällern, manche sogar gut. Dass Schlimme an der Sendung – und den anderen Formaten dieser Klasse – ist aber, dass hier Hoffnungen vieler junger Menschen gegen Anrufgebühren aufgerechnet werden. Und das nicht zum Vorteil der Künstlerimitatoren. Weiterlesen


Dumm sterben (21): Das Ding mit dem Prepaid-Handy

Immer wieder kann man erfreut den Kopf über deutsche TV-Serien schütteln. Was dort für ein Blödsinn erzählt wird, nur weil der unterqualifizierte und überbezahlte Autor CSI oder ähnlichen US-Krams gesehen hat, ist wirklich eindrucksvoll. Amerikanische Verhältnisse werden 1:1 übertragen, obwohl es hier alles anderes ist.

Aktuelles Beispiel ist das Prepaid-Handy. Standard bei Horatio Caine und Co. ist, dass ein Mörder/Entführer/Erpresser (bitte beliebig erweitern) einen Anruf tätigt, der von einem solchen Mobiltelefon stammt. Was für einen Straftäter auch sehr sinnvoll ist, kann man in den Vereinigten Staaten doch an jeder Ecken Sim-Karten samt Gerät kaufen, sie aufreißen und sofort benutzen.

Fällt jemanden der Unterschied auf? Nein, ich meine nicht die Sonnenbrille des CSI: Miami-Chef-Nickers mit der nervigen Ader. Sondern das, was die Kreativen in unseren Serientempeln nicht kennen. Das Modell Prepaid in Deutschland. Denn hier muss die Karte gegen Ausweis registriert und freigeschaltet werden. Das geht noch nicht einmal sofort, sondern kann auch dauern. Bei Vodafone geht man sogar noch weiter und lässt (allerdings aus anderen Gründen) nur eine Prepaid-Karte pro Person zu.

Merken das unsere Autoren? Nein. Deshalb schreiben sie den Quark einfach in die Drehbücher. Völlige Unkenntnis wird mit völlig langweiligen Storylines kombiniert. Und wir wundern uns, dass die Qualität irgendwo unter dem Teppich liegt.


Respekt für ZDF und Wetten dass

Nicht häufig haben Fernsehsender wirklich meinen Respekt. Gestern aber hat das ZDF ihn erhalten – und sich auch verdient. Weniger, genauer gesagt gar keinen Respekt haben dagegen wieder einmal Medien im Netz und vor allem die Nutzer auf ihre Seite ziehen können.

Was war passiert? Bei „Wetten dass…?“, dem großen, alten Showtanker im ZDF, verletzte sich ein junger Mann anscheinend so schwer, dass er mit dem Notarzt ins Krankenhaus gebracht werden musste. Die Senderverantwortlichen unterbrachen die Show dann, bis sie sie abbrachen. Und das scheint mir die genau richtige Vorgehensweise zu sein, denn es hat etwas mit Anstand zu tun.

Gottschalk, sichtlich getroffen, betonte, dass eine Unterhaltungssendung Grenzen hat. „Die ersten Informationen über den Zustand unseres Wettkandidaten waren nicht eindeutig. Unter dieser Voraussetzung konnten und wollten wir die Unterhaltungssendung nicht fortsetzen“, betonte auch der Programmdirektor Thomas Bellut. Wäre das „Supertalent“ (dem die spektakuläre und vielleicht zu gefährliche Wette möglicherweise geschuldet war) unterbrochen worden? Wohl nicht. Darüber hinaus hat die Regie Feingefühl gezeigt, in die alle Kameras sofort auf das Publikum geschwenkt wurden – man sollte nicht sehen, wie Rettungskräfte den Kandidaten behandelten.

Feingefühl ist dagegen naturgemäß etwas, das Boulevardmedien – sei es gedruckt oder digital – per se nicht haben. Bild.de jedenfalls zeigte natürlich Bilder von dem am Boden liegenden Mann, der sich der Gefahr bewusst, aber vielleicht auch auf der Suche nach ihr war.

Feingefühl sieht anders aus.

Sie werden natürlich argumentieren, dass es ein großes öffentliches Interesse gibt und das ein Dokument der Zeitgeschichte sei. Im Übrigen sei die Presse frei. Ist sie ja auch. Das bedeutet aber eben auch, dass man in der Entscheidung frei ist, das Foto nicht zu zeigen. Und auch nicht das Video, das man selbstverständlich auch hat. Denn in modernen Zeiten hat die Regie nicht mehr allein die Herrschaft über die Bilder, was meistens gut ist. Hier aber nicht. Mit Handys gefilmte Schnipsel kursieren jedenfalls. Dass das ZDF sogar bei YouTube darum bat, das Video nicht hochzuladen, verstärkt meinen Respekt noch.

Doch nicht nur die Sensationsjäger von Bild.de und Co. haben sich mal wieder benommen, wie zu erwarten gewesen war. Auch die Internetnutzer rasteten zum Teil aus. Bei Twitter entbrannte zum Beispiel eine Beileidswelle – und ein Pöbelwelle, weil doch Teeniestar Justin Bieber und Take That nun nicht mehr kommen. Zu finden hier und hier. Höhepunkt war dieser Tweet:

Ich will Justin sehen. Samuel kann sterben

Da ist nicht mehr nur die Medienkompetenz der Eltern gefragt, sondern eine grundlegende Frage der Erziehung. Gerade weil die Bieber-Fans noch Kinder sind.

Christoph Jakubetz hat sich des Themas auch angenommen und schreibt:

Auf der anderen Seite habe ich gleichzeitig ziemlich ernste Zweifel bekommen, ob das mit der (anonymen) Freiheit im Netz immer das Richtige ist:

In Anbetracht solch unbedarfter, aber heftiger Aussagen hat er eindeutig Recht.


Punkt 12 verschärft die Regeln – und stellt die Uhren

Hmmm, war das jetzt eine Klarstellung? Katja Burkard stolpert führt heute mal wieder durch „RTL Punkt 12″ und kündigt die Geldverdienmaschine an. Natürlich nicht die für den Zuschauer, den ein 100.000-Nochwas-Euro-Jackpot lockt, sondern die für den Sender.

Beim Hinhören dann eine Änderung, warum auch immer sie sein musste, die Aufhören lässt. Denn in der ersten Stunde der Sendung konnte man schon immer 1000 Euro plus Sonderpreis gewinnen. Dass RTL es mit der Dauer einer Stunde da nicht so ernst nimmt, lassen wir mal auf sich beruhen. Bislang kam dabei rüber, dass man nicht nur die erste Summe gewinnen kann, sondern auch den Jackpot angreift.

Das ist anders, seit wann weiß ich nicht. Auf jeden Fall heißt es jetzt, dass man in der ersten Stunde (zur Erinnerung: das sind 60 Minuten) eben den kleinen und von 13 bis 14 Uhr den großen Preis gewinnen kann. Aber nur noch die, die ab 13 Uhr anrufen.

Fragt sich nur, was das soll. Denn wenn ich die Chance habe, 100.000 Euro zu gewinnen, 1.000 aber so gut wie sicher habe, wenn ich durchkomme, dann werde ich doch nicht für den kleinen Preis anrufen, bei dem ich „nur“ einen Tausi erhalte, oder?

Egal. Denn anrufen werde ich ja eh nicht.

Ich will noch bei „Wer wird Millionär ran“.