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Tabuthema Autismus?

5. Juni 2011
von Frank

Das hat mich nachdenklich gemacht: Mit der Lady und dem Junior sowie seiner kleinen Freundin und deren Eltern waren wir in Bad Bederkesa auf einem Spielplatz. Der blendende Sonnenschein hat natürlich nicht nur uns dorthin gelockt, sondern auch eine ganze Menge anderer Familien. Unter anderem ein Frau mit ihrem Sohn, die an der Rutsche standen, die unser Junior heiß und innig liebt.

Der Sohn, er mag sechs oder so gewesen sein, vielleicht aber auch älter (ich kann schlecht schätzen), saß dort im Sand und hat ihn durch die Finger rieseln lassen. Irgendwann kletterte er die Rampe hoch, seine Mutter stützte ihn dabei kräftig ab. Ich habe mir dabei nicht viel gedacht, denn manche Kinder sind halt unsicher.

Nun ja, wie gesagt, ich habe nicht näher darüber nachgedacht. Doch plötzlich spricht mich die Frau an und sagt, dass der Junge autistisch und auch noch mit Nervenkrebs geschlagen sein. Ganz ohne Vorwarnung, aber als Rechtfertigung. Viele, sagte sie noch, würden auch nicht verstehen, warum ihr Sohn den Sand rieseln lasse und diese Hilfe benötigt.

Autismus ist eine Situation, von der ich nicht viel weiß. Wohl aber, dass es für die Angehörigen schwer sein kann. Die Frau jedenfalls schien mir den Eindruck zu machen, sich sehr häufig dafür fast entschuldigen zu müssen, dass ihr Sohn daran leidet (wobei die Frage ist, ob die Betroffenen wirklich leiden, leben sie doch in einer Art eigener Welt, soweit ich weiß). Aber es ist ein gesellschaftliches Tabu, das nicht sein darf. Hilfe ist viel angebrachter, wenngleich auch sehr schwierig. Eine Betroffene aber bewusst oder unbewusst dazu zu zwingen, das immer wieder betonen, erklären, ja rechtfertigen zu müssen, fühlt sich falsch an. Eine Lösung habe ich nicht, nur die Hoffnung, dass ich nicht auch zu den Leuten gehöre, die sich eine solche Haltung befördern.

Wobei der Junge mir nebenbei den Eindruck gemacht hat, dass ihn das Spielen gefallen hat. Und das ist in dieser Situation das Wichtigste.

5 Kommentare Eins hinterlassen →
  1. 5. Juni 2011 21:32

    Schön, dass du dir Gedanken zum Thema Autismus machst und dir wünschst, dass es kein Tabuthema sein sollte. Ich stoße mich ein wenig daran, dass du Autismus eine Krankheit nennst, finde aber schön, dass du überlegst, ob der Autist selbst überhaupt leidet. Das mit der „eigenen Welt“ ist irgendwie ein Ding, das Nicht-Autisten immer gerne anmerken, wenn sie über Autisten schreiben. Das sehen allerdings nicht alle Autisten auch so.

    Wenn du etwas mehr erfahren möchtest über Autismus, vor allem über die Sichtweise von Autisten selbst, dann lies doch mal in mein Blog und auch die Blogs, die in meiner Blogroll verlinkt sind, rein:

    http://dasfotobus.wordpress.com/

  2. 6. Juni 2011 04:52

    Das werde ich lesen. Der Begriff „Krankheit“ kommt vor, weil es eine entsprechende Definition der WHO gibt, die eigene Welt ist freilich ein Klischee. Aber wie gesagt, ich weiß nicht sehr viel und habe nur meine Gedanken zu der Situation aufgeschrieben.

  3. 6. Juni 2011 17:56

    Ja, das ist auch gut, deine Gedanken dazu zu schreiben. :-)

    Eine Krankheit ist Autismus dennoch nicht. In der ICD-10 sind auch z. B. die Geburt oder Amputationen mit Schlüsselnummern und Definitionen versehen. Das sind auch keine Krankheiten. ;-)

    Es freut mich, wenn du dich informierst. Auch auf Twitter bin ich zu finden:
    http://twitter.com/fotobus

  4. silvia Permalink
    1. Oktober 2011 19:04

    Hallo heisse Silvia, lebe seit 5 Jahren in Norwegen und mache zu meinen bestehenden Ausbildungen zur Erzieherin und Heilpädagogin momentan eine Zusatzausbildung hier zum Facharbeiter für Autismus.

    Thema: Menschen mit Autismus/ Asberger sind eine Herausforderung, ein Geschenk oder Störend?

    Benötige Erfahrungen, Erlebnisse, Kommentare die ihr erlebt hab im Zusammenleben und arbeiten mit autisten. Oder was ihr eventuel für Erfahrungen gesammelt habt.
    Alle Daten werde vertraut behandelt und ohne Namen.
    Würde mich sehr freuen über eure Hilfe und Beiträge. Vielen Dank Gruss Silvia

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