SEO ist gleich gute alte Leseroptimierung

Das ist eine interessante Frage, die heute Vormittag via Twitter eingegangen ist:

Warum sollten sich Journalisten mit SEO befassen? Dafür gibt’s doch Profis! Zustimmung/Widerspruch bitte mit #volonline taggen (RT wär nett)

Das fragt @kscheib und spricht damit eine Diskussion an, die PR, Marketing und Redakteure schon seit einiger Zeit führen. Und die müßig ist.

Jedenfalls habe ich den Eindruck. Ich selbst habe diese Debatte im Jahr 2008 gehört, als ich an der Akademie für Publizistik in Hamburg mitgeführt habe. Dort besuchte ich ein Seminar mit dem schönen Titel „Schreiben fürs Web“ und hörte eine Vielzahl Ansätze. Unter anderem waren einige Kollegen aus PR-Agenturen dabei, daneben auch eher Marketing-getriebene Autorinnen. Sie alle hatten die Vorgabe, dass in den Vorspännen der Artikel – sorry, das nennt man ja jetzt Teaser – möglichst mit vielen Schlüsselworten versieht, damit Google und Co. sie bloß gut auslesen und entsprechend hoch ins Ranking platzieren.

Das kann man vermuten, aber darunter leiden sowohl die Lesbarkeit als auch der Charakter des Textes: Er ist weder eine ordentliche Nachricht, noch ist er wirklich informativ für menschliche Leser. Eine sauber aufgebaute Meldung enthält alle Schlüsselbegriffe, die notwendig sind – wir erinnern uns an die W-Fragen, die wir im Volontariat geknüppelt haben, oder?

Doch das ist eigentlich gar nicht die Frage. Die Frage ist, warum überhaupt seit der Einführung darüber diskutiert wird.

Denn was lernt der Redakteur in Ausbildung: Mache eine knackige Überschrift, eine griffige Unterzeile, eine Bildzeile, die damit passt und einen Vorspann, der die Nachricht enthält. Alles zusammen ist dann das Paket, mit dem der Leser in den Text gezogen wird und ihn veranlasst, das ganze Werk (oder wenigstens noch etwas mehr davon) zu lesen. Das ist nicht nur Schulinhalt, sondern durch diverse Untersuchungen wie dem Readerscan belegt.

Jetzt sehen wir uns das eben noch einmal an:

  1. Eine knackige Überschrift: Hier sind Nachricht und Schlüsselworte aus dem Thema enthalten
  2. Die griffige Unterzeile: Sie spezifiziert das Thema genauer und arbeitet natürlich mit Schlagworten, ergänzt durch
  3. Die gute Bildzeile.
  4. Der Vorspann: Er liefert die Nachricht, möglichst mit den wichtigsten Fakten und hat daher per se schon alle Schlüsselworte drin.

Das ist eine Leser-Optimierung. Und zwar eine, die schon ewig, zumindest aber seit Jahrzehnten bewährt ist. Der Unterschied zum Online-Journalismus liegt nur darin, dass keine Suchmaschine und ihr Computergehirn angesprochen wird, sondern der Mensch direkt. Das biologische Gehirn ist hier die Suchmaschine, die sich die Information eben aus dem Print-Produkt herausholt.

Nun sind die Online-Angebote per Definition eine printnahe Medienform (glauben Wissenschaftler und Verleger, wohlgemerkt, denn multimediale Inhalte fallen hier hinten herunter) . Das bedeutet, dass die oben genannten Regeln ebenso gelten. Damit ist eine SEO also erreicht.

Ergo gibt es Profis für die SEO: Das sind die Journalisten. Sie aber müssen sich auch nicht zwingend damit befassen, wenn sie denn ihr Handwerk beherrschen.

Alles andere, speziell das gezielte Einbauen von SEO-Worten, ist Quatsch.


Sei der Erste, dem dieser post gefällt.

Einen Kommentar hinterlassen

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * gekennzeichnet.

*

Du kannst folgende HTML Befehle und Attribute verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <pre> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>