Lehrbeispiel Guttenberg

Karl-Theodor zu Guttenberg soll abgeschrieben haben. Eigentlich wollte ich mich dazu in diesem Blog nicht äußern. Aber es ist ein Lehrbeispiel dafür, wie man es nicht macht. Weder als Wissenschaftler, wo die Zitate letztlich nur anders aussehen als in einem journalistischen Text. Und dafür gelten eben auch die gleichen Regeln.

Die sind wirklich einfach und sollten auch einem hochgebildeten Angehörigen des früheren Adels bekannt sein:

  1. Jede Quelle muss benannt werden.
  2. Jedes Zitat muss als solches gekennzeichnet sein.
  3. Jedes Zitat muss korrekt sein.

Kurzum: Der Text muss korrekt sein. Freilich kann man durch Kürzung von Aussagen hier wie dort den Sinn durchaus verändern. Auch zu 1. gibt es in journalistischen Artikeln Ausnahmen – um die Quelle zu schützen. Erfinden wie einst Tom Kummer darf man aber nichts.

Die Konsequenzen für Journalisten sind klar: Verlust des Ansehens. Verlust des Jobs. Die für Doktoren jeder Disziplin auch: Verlust des Titels. Verlust des Ansehens. Da kann und darf es keine Ausnahme für KTG geben, wenn sich die Vorwürfe bestätigen (wie es ja scheint).

Freilich ist das eine Kunst, die in vielen Redaktionen dann doch nicht mehr beherrscht wird. Kopieren aus der Wikipedia – die zweifelsohne bei richtiger Benutzung eine gute Quelle ist –, zusammenbasteln von Artikeln aus Pressemitteilungen und wenig kritisches Nachdenken ist in vielen Häusern bedenklicher Standard. Auch hier kann man das auch auf die (geistes-)wissenschaftliche Recherche anwenden. Dabei ist klar: Behauptungen müssen bewiesen werden, wobei es Naturwissenschaftler durch Experimente vielleicht einfacher haben.

KTGs Image ist angeschlagen, bei den Bürgern aber nicht ramponiert. Die Politik bläht sich natürlich auf, was aber auch zu erwarten war. Abgesehen von den handwerklichen Fehlern (zu der auch die Aussage gehört, dass er sich äußern wolle, wenn er die Arbeit gelesen habe [sic!]) stößt mir hier eines sauer auf: Parteifreunde fordern das Ende von Vorverurteilungen. Bei KTG. Nicht aber beim Gorch-Fock-Kommandanten, der nach 48 Stunden raus war ohne eine einzige Frage beantwortet zu haben.

Aber das ist eine politische Frage. Journalisten können aus der Causa lernen. Wissenschaftler auch. Doch das müssen sie auch tun.

(Bildquelle: Wikimedia.de / Bundestagsbüro KTG)


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2 Antworten zu “Lehrbeispiel Guttenberg”

  • Michael K

    Die Nichtstudierten sehen denke ich das Gewicht eines Plagiats deutlich lockerer als jene, die Wochen über Hausarbeiten, Monate über Staatsarbeiten etc. gehangen haben. Es ist einfach nicht das gleich wie in der Schule die Hausaufgaben beim Nachbarn abzuschreiben bevor der Lehrer rein kommt. Aber so scheinen es viele zu sehen und klar, dass man da nachsichtig ist.
    Schade.

  • onlinejournalismus.de - Das Magazin zum Thema » Blog Archive » Guttenberg: Gelungene SPON-Visualisierung der Vorwürfe

    [...] Fall Guttenberg ist also in vielerlei Hinsicht ein Lehrbeispiel. Auf der Seite werden die Passagen aus der beanstandeten Dissertation mit den mutmaßlichen [...]

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