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2. Februar 2011 / Frank

Eindruck ohne Folgen

Das Lob sollte runtergehen wie Öl. Martin Weigert sieht auf netzwertig.com eine neue Ära des Journalismus anbrechen – am Beispiel von Richard Gutjahr, Blogger und Journalist, der auf eigene Faust aus Ägypten berichtet.

Ich glaube, dass Richard Gutjahr dem Thema Blogging und dem Journalismus der Zukunft gerade einen enormen Dienst erweist. Ich rechne auch damit, dass die Aktion des Münchners auf lange Zeit hin als Beispiel für den strukturellen und technischen Wandel gelten wird, der die publizistische und journalistische Arbeit derzeit kräftig durcheinanderwirbelt.

Dazu muss man sagen: schöne Überlegung. Aber wahrscheinlich eine Utopie.

Auch wenn Weigert nur einen Absatz weiter sagt:

Gutjahrs Reise nach Ägypten ist in Deutschland (und wahrscheinlich im gesamten deutschsprachigen Raum) nach meiner Beurteilung der erste Fall jemals, bei dem in der Berichterstattung über ein Ereignis von weltpolitischer Bedeutung ein unabhängig arbeitender Blogger den etablierten Medien mit einer umfangreichen Vor-Ort-Reportage ernsthaft Konkurrenz macht. Mir jedenfalls kommt kein vergleichbares Unterfangen in den Sinn.

Hier liegt die Krux. Denn wie sehr wird das Ganze außerhalb des Medienzirkus wahrgenommen? Vor allem, wenn Gutjahr auch noch für die Tagesschau und weitere Medien berichtet, freilich nicht als Blogger, sondern eher wie eine eigene Quelle?

Zu befürchten ist, dass das im breiten Feld kaum Aufmerksamkeit bringen wird noch einen Boom für Blogs, die in den USA schon ihren Zenit überschritten haben sollen. Viele wenden sich eher sozialen Netzen zu, eigentlich nur Facebook, und die Deutschen sind auch da angeblich zurückhaltend.

Sicher wird der eine oder andere Nutzer im Netz auf der Suche nach Informationen auch auf das Blog von Gutjahr stoßen. Die meisten aber surfen ihre Tageszeitung an, die Tagesschau oder Spiegel online, die freilich nicht unbedingt mit den Techniken glänzen, die das Netz bietet.

Doch einen Sturm auf Blogs wird das sicher nicht auslösen.

Richtig an Weigerts Idee ist allerdings eines: Gutjahr nutzt vorbildlich alle modernen Wege, die Verlage zum Teil bewusst vernachlässigen und nicht beachten. Wie viele Twitter-Konten liegen brach, wie viele einstmals ambitionierte Projekte sind stumm geworden und laufen auf Automatik? Hier zu zeigen, was mit einem Laptop, dem Smartphone und etwas Geld geht, das ist eine Leistung von Gutjahr.

Aber das wird innerhalb der Branche gelobt werden. Darüber hinaus nicht. Und die Kaufleute an den Verlagsspitzen sind schnell damit bei der Hand zu sagen, dass sich das nicht finanzieren lässt.

Egal wie modern und vorbildlich ein solches Verhalten ist.

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