Tagesschau lässt App aufs Telefon los

Nun hat das Warten ein Ende: tagesschau.de kommt als App. Seit heute morgen ist die sehr heftig umstrittene Anwendung zumindest in Apples Appstore verfügbar, und natürlich ist sie auch schon promt auf meinem Telefon gelandet.

So sieht das Logo der App aus.

So sieht das Logo der App aus.

Und sie mach einen guten Eindruck, muss man sagen. Flüssiger Ablauf, Einbindung von Videos, der Tagesschau in 100 Sekunden und alle Inhalte, die auf der Webseite auch stehen. Mehr nicht (naja). Was aber vollkommen ausreicht, um einen guten Überblick über die Nachrichtenlage zu haben – zumal die App kostenlos zur Verfügung steht. Zumindest diese, denn die Macher der ARD haben auch schon angekündigt, dass es weitere Apps geben soll, die auch Gebühren kosten können.

Die App bietet nach dem ersten Ansehen alles, was man sich multimedial erwartet, vor allem, da man das durch seine Rundgunkgebühren sowieso schon bezahlt hat. Dazu kommen Nettigkeiten wie Eilmeldungen per Push-Dienst – denn hier offenbart sich das einzige Manko: Die tagesschau-App beherrscht kein Multitasking, wie es iOS 4 ermöglicht. Das heißt, bei Klicks auf Links öffnet sich der Safari-Browser, die App schaltet sich aber ab. Wenigstens warnt sie vorher.

Die Gimmicks im Einzelnen laut Beschreibung im Appstore:

  • Artikel empfehlen und speichern
  • Wetter (auch mit Ortung, wenn man es zulässt)
  • Bilderstrecken (wenn der Datentarif es zulässt)
  • Audiostrecken der ARD-Infowellen
  • Sendungsarchiv der letzten sieben Tage, da der Rundfunkstaatsvertrag ja nicht mehr zulässt
  • Push-Eilmeldungen
  • Tagesschau to go (nur iPhone)
  • Quiz (nur iPhone)

Die Nutzerkommentare im Store sind dabei durchweg positiv und erreichen fast immer fünf Sterne. Soweit würde ich zwar nicht gehen, aber vier sind auf jeden Fall drin.

Jetzt bin ich gespannt, was die Verlage anmerken werden. Denn sie haben die App ja vehement bekämpft. Springer, selbst Experte im Tricksen mit Apps, zum Beispiel redet von Wettbewerbsverzerrung, da das Angebot ja nur kostenlos sein könne, weil es gebührenfinanziert sei.

Klar. Dafür sind die Springer- und Co.-Angebote ja auch werbefrei, oder? Es gibt ein ganz einfaches Mittel, den Wettbewerb wieder herzustellen: Stellt einfach optimale Apps zur Verfügung und bietet inhaltliche Qualität. Dann wird es schon gut gehen.

Nachtrag

Natürlich hat es nur wenig Stunden gedauert, bis sich der VDZ (Zeitschriften) und der BDZV (Zeitungen) gemeldet haben und die App als „rechtswidrig“ bezeichnen. Das müsste natürlich belegt werden. Tenor: Der Inhalt ist nicht sendungsbezogen, es gebe genügend Leseangebote im Netz und überhaupt ist es doch böse, gebührenfinanzierte Inhalte kostenfrei (weil schon durch die Gebühr bezahlt!) anzubieten und somit den großen Verpassern aus den Verlagen mutmaßlich das Wasser abzugraben. Wer’s glaubt.


Be the first to like this post.

Eine Antwort to “Tagesschau lässt App aufs Telefon los”

  • Tagesschau iPhone-App nun erhältlich « RESSORTJOURNALISMUS HOCHSCHULE ANSBACH

    [...] Eine weitere, detailliertere Beurteilung findet sich hier. [...]

Einen Kommentar hinterlassen

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * gekennzeichnet.

*

Die kannst folgende HTML Tags und Attribute verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <pre> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>