Respekt für ZDF und Wetten dass

Nicht häufig haben Fernsehsender wirklich meinen Respekt. Gestern aber hat das ZDF ihn erhalten – und sich auch verdient. Weniger, genauer gesagt gar keinen Respekt haben dagegen wieder einmal Medien im Netz und vor allem die Nutzer auf ihre Seite ziehen können.

Was war passiert? Bei „Wetten dass…?“, dem großen, alten Showtanker im ZDF, verletzte sich ein junger Mann anscheinend so schwer, dass er mit dem Notarzt ins Krankenhaus gebracht werden musste. Die Senderverantwortlichen unterbrachen die Show dann, bis sie sie abbrachen. Und das scheint mir die genau richtige Vorgehensweise zu sein, denn es hat etwas mit Anstand zu tun.

Gottschalk, sichtlich getroffen, betonte, dass eine Unterhaltungssendung Grenzen hat. „Die ersten Informationen über den Zustand unseres Wettkandidaten waren nicht eindeutig. Unter dieser Voraussetzung konnten und wollten wir die Unterhaltungssendung nicht fortsetzen“, betonte auch der Programmdirektor Thomas Bellut. Wäre das „Supertalent“ (dem die spektakuläre und vielleicht zu gefährliche Wette möglicherweise geschuldet war) unterbrochen worden? Wohl nicht. Darüber hinaus hat die Regie Feingefühl gezeigt, in die alle Kameras sofort auf das Publikum geschwenkt wurden – man sollte nicht sehen, wie Rettungskräfte den Kandidaten behandelten.

Feingefühl ist dagegen naturgemäß etwas, das Boulevardmedien – sei es gedruckt oder digital – per se nicht haben. Bild.de jedenfalls zeigte natürlich Bilder von dem am Boden liegenden Mann, der sich der Gefahr bewusst, aber vielleicht auch auf der Suche nach ihr war.

Feingefühl sieht anders aus.

Sie werden natürlich argumentieren, dass es ein großes öffentliches Interesse gibt und das ein Dokument der Zeitgeschichte sei. Im Übrigen sei die Presse frei. Ist sie ja auch. Das bedeutet aber eben auch, dass man in der Entscheidung frei ist, das Foto nicht zu zeigen. Und auch nicht das Video, das man selbstverständlich auch hat. Denn in modernen Zeiten hat die Regie nicht mehr allein die Herrschaft über die Bilder, was meistens gut ist. Hier aber nicht. Mit Handys gefilmte Schnipsel kursieren jedenfalls. Dass das ZDF sogar bei YouTube darum bat, das Video nicht hochzuladen, verstärkt meinen Respekt noch.

Doch nicht nur die Sensationsjäger von Bild.de und Co. haben sich mal wieder benommen, wie zu erwarten gewesen war. Auch die Internetnutzer rasteten zum Teil aus. Bei Twitter entbrannte zum Beispiel eine Beileidswelle – und ein Pöbelwelle, weil doch Teeniestar Justin Bieber und Take That nun nicht mehr kommen. Zu finden hier und hier. Höhepunkt war dieser Tweet:

Ich will Justin sehen. Samuel kann sterben

Da ist nicht mehr nur die Medienkompetenz der Eltern gefragt, sondern eine grundlegende Frage der Erziehung. Gerade weil die Bieber-Fans noch Kinder sind.

Christoph Jakubetz hat sich des Themas auch angenommen und schreibt:

Auf der anderen Seite habe ich gleichzeitig ziemlich ernste Zweifel bekommen, ob das mit der (anonymen) Freiheit im Netz immer das Richtige ist:

In Anbetracht solch unbedarfter, aber heftiger Aussagen hat er eindeutig Recht.


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Eine Antwort to “Respekt für ZDF und Wetten dass”

  • Michael

    Guter Blog, gefaellt mir sehr. Auch nette Themen.

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