Online-Journalismus – oder so

Journalismus ist auch im Internet eine wichtige Institution. Davon bin ich überzeugt, genauso aber glaube ich, dass Nicht-Journalisten sehr gut und sehr gute Informationen veröffentlichen können.

Zum Journalismus aber, wie er von Verlagen auch im Netz vertreten wird, gehört eine gewisse Schnelligkeit. Es muss nicht zehn Sekunden nach dem Ereignis die Fotostrecke im Netz stehen. Wohl aber innerhalb einer Stunde, das kann man erwarten. Vorausgesetzt, dass es eine Redaktion gibt und diese vernünftig besetzt ist. Gerade bei regionalen Verlagen ist das wohl keine Selbstverständlichkeit, obwohl eine ordentliche Ausstattung sogar zu schwarzen Zahlen verhelfen kann. Die Augsburger Allgemeine zum Beispiel schreibt diese.

Besonders fällt dies bei Bilderstrecken auf, die ja oft nur Klickgeneratoren sind. Und manchmal findet sich auch ein massives Unverständnis des Mediums Internet und der eher agenturartigen Tätigkeit der Journalisten auch im Lokalen und Sublokalen. Dennoch musste ich heute folgendes sehen:

ausriss1

Da wird doch tatsächlich angekündigt, dass die Bilder des Spiels Deutschland – Serbien (dessen Ergebnis wir jetzt noch einmal beweinen und dann vergessen, am Folgetag ins Netz gestellt werden. Am Samstag.

Zur Erinnerung, und es steht da ja auch: Spielbeginn war 13.30 Uhr. Abpfiff 15 Uhr. Zeit genug, innerhalb der regulären Arbeitszeit einer Zeitungsredaktion ein paar Bilder ins Netz zu stellen.

Warum aber ist das so? Ich kann mir das nur mit der Angst vorm Einzelverkauf und verknöchertem Produktionsdenken erklären. Gibt es immer noch die unsinnige Angst, dass ein, zwei oder zehn vorab veröffentlichte Bilder tatsächlich den Einzelverkauf am nächsten Tag schädigen wird? Das ist Mumpitz, denn die Schnittmengen zwischen Zeitungs- und Netznutzern sind immer noch klein. Das geht auch aus der Ankündigung im gleichen Blatt auf das morgige Programm hervor:

ausriss2

Ich weiß nicht, aber irgendwie ist das nicht Journalismus im Netz. Oder Onlinejournalismus. Oder Journalismus 2.0. Sondern einfach nur unzeitgemäß.

Die Kollegen aus der Nachbarstadt übrigens, immerhin 60 Kilometer weg von Bremerhaven, hatten die Bilderstrecke dann doch schon heute im Netz.

So gehört sich das.

Noch peinlicher für das Blatt ist es übrigens aber, dass die Fotostrecke auch schon heute im Netz ist. Wer wird denn nun hier ver….?

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in Bremerhaven, Medien und mit , , getaggt. Füge den Permalink zu Deinen Favoriten hinzu.

Eine Antwort zu Online-Journalismus – oder so

  1. BeastyBasti schreibt:

    Vielleicht trinken die aber auch nur gerne Bier beim Fußball…?

Einen Kommentar hinterlassen

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht. Required fields are marked *

*

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <pre> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>