Kirche verstärkt die Qualen der Missbrauchsopfer

Veröffentlicht am 4. April 2010 von Frank in Gesellschaft, Kopfschütteln, Politik
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Angelo Sodano ist der höchste Kardinal, den die katholische Kirche hat. Er ist quasi eine Art Stellvertreter des Stellvertreters. Gottes Stellvertreter. Und dieser Kardinal hat seinem Boss, Papst Ratzinger, heute öffentlich bei der Ostermesse das gesagt:

Heiliger Vater, das Volk Gottes ist mit dir und wird sich nicht von dem unbedeutenden Geschwätz dieser Tage beeinflussen lassen. (Quelle)

Was endlich mal eine Stellungnahme ist. Die wurde von Ratzinger schon seit Wochen erwartet, seit die Dimension des unglaublichen Missbrauchsskandals in Deutschland bekannt geworden ist. Doch der – so wirken die Fernsehbilder – greise und senile Papst schweigt. Der Hirtenbrief beschäftigt sich nicht mit Deutschland, kein Wort dringt aus dem Vatikan nach außen. Dessen Oberhaupt ist der Papst, und er gilt als unfehlbar.

Die Stellungnahme aber kam eben nicht von dem bayerischen Papst, der für Jahrzehnte der Heiligen Inquisition Glaubenskongregation vorstand, sondern vom höchsten Kardinal. Und sie ist eine schallende Ohrfeige für alle Opfer in diesem Skandal. Sie ist eine Beleidigung für jeden, dem diese Missbrauchsfälle eklig aufstoßen.

Mehr noch. Wenn man diese Aussagen deuten möchte, dann fallen zwei Punkte ins Auge.

1. Die Macht des Papstes schwindet

Joseph Ratzinger ist seit fünf Jahren Pontifex Maximus. Oberhaupt eines souveränen Staates mit absolutistischer Verfassung. Er bestimmt, sonst niemand. Wenn also der Chef-Kardinal diesem auch noch unfehlbaren öffentlich zur Seite springen muss, ist etwas faul in diesem Mini-Staat. Entscheidet Ratzinger noch selbst oder wird er von machtbewussten Politikern – nichts anderes sind die Kurienkardinäle – umgeben, die ihn beeinflussen? Haben sie jetzt auch noch entschieden, ihren Einfluss öffentlich zu zeigen?

Auf jeden Fall ist es sehr auffällig, dass die Tradition dieser Messe durchbrochen worden ist, um Ratzinger den Rücken zu stärken. Wobei dieser dies durch eine eindeutige Stellungnahme selbst hätte lösen können. Selbst wenn Ratzinger noch am Palmsonntag ebenso von Geschwätz gesprochen hat. Was auch immer das soll: Päpste können abgesetzt werden. Wie zum Beispiel der im Jahr 1417 geschasste Kirchenchef. Er hieß Benedikt XIII.

2. Die Kirche legitimiert den Missbrauch

Hört man die Worte des Kardinals, so ist eines klar: Die Priester haben nichts verbrochen. Die Kirche auch nicht. Es sind die Nicht-Katholiken, die alles aufbauschen, was doch normal ist. Anders kann man nicht verstehen, was mit “Geschwätz der vergangenen Tage” gemeint ist. Ob Sodano nun darauf anspielt, dass Ratzinger selbst wusste, dass ein pädophiler Seelsorger mit Kindern arbeitet oder ob er den gesamten Fall meint, ist egal.

Fakt ist, dass die Kirche durch einen ihrer höchsten Vertreter die Sorge vieler Menschen, den Ekel und die Abscheulichkeit der Taten abtut und Menschen in all ihrer Not und ihrer seit Jahrzehnten durchlebten Qual allein lässt, ja diese Qual noch verstärkt.

Dabei ist die wichtigste Aufgabe der Kirche, für ihre Mitglieder da zu sein. Ihnen beizustehen und ihnen zu helfen. Die Rede von Sodano war Geschwätz. Das eines machtgeilen alten Mannes.

Oder eines senilen Mannes, der weltfremd ist und im eigenen Saft kocht.

Beides ist nicht gut.

Kommentare
  1. chillout sagt:

    Die Antwort des Vatikans ist nur zu verabscheuen.

    Mir tun die Opfer Leid, die katholische Kirche nicht und schon gar nicht diese arroganten alten Männer in Ihren lächerlichen Gewändern.

  2. Albertus Magnus sagt:

    Seht, ich sende euch wie Schafe mitten unter die
    Wölfe; seid daher klug wie die Schlangen und arglos
    wie die Tauben, Matthäus 10,16

    Meine Meinung dazu ist das ich selbst mehrere saftige Ohrfeigen von meinem Pfarrer in den sechziger Jahren erhielt.
    Aber war dies und ist dies nicht Usus in jeder Religion.

    Wenngleich die Christen danach streben, sich jeder Form von Krieg zu enthalten und zu erwehren … so
    haben sie das Recht und sogar die Pflicht, ihre Existenz und ihre Freiheit mit geeigneten Mitteln gegen einen ungerechten Angreifer zu verteidigen. Papst Johannes Paul.

    Ich denke mal, auch diesmal wird alles unter dem großen Teppich im Petersdom gekehrt – nach dem Motto lass Grass drüberwachsen.

  3. ebook-blog sagt:

    Es ist schade, dass krichliche Institutionen bei Missbrauch von Abhängigen durch ihre Mitarbeiter, dies nicht offensiv verfolgen. Auch bei anderen Institutionen, wie Schulen usw. erfolgt auch keine offensive Verfolgung. Wenn ich beim Aldi eine Tüte Milch klaue und dabei erwischt werde, dann sind gleich 2 Staatsanwälter hinter mir her. Nun ja mal schauen, wie sich unsere Gesellschaft weiter entwickelt.

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