Dieses Zitat von Wolfgang Fürstner ist für mich ein wenig die Aussage des Tages:
Die Idee der Grundversorgung entstammt den fünfziger Jahren, als es noch Frequenzmangel gab und war ein Versuch ein Mindeststandard zu setzen. Dieser Anspruch hat sich doch total überlebt. Heute müsste Grundversorgung anders definiert werden: Es ist all das, was privatwirtschaftlich nicht in gleicher oder besser Qualität angeboten werden kann.
Denn hier gibt er tatsächlich eine Daseinsberechtigung für ARD und ZDF – oder glaubt irgendjemand, dass die Privaten wirklich die unterstelle Qualität bieten können? Das belegen ja Super Nanny, Big Brother, Frauentausch, DSDS und Co. eindrucksvoll.
Fürstner ist übrigens Vertreter des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) und wurde heute in der Welt interviewt. Das Interview gaukelt dabei den Charakter einer sachliche Information vor. Ist es aber so etwas von nicht.
Denn das Gespräch auf Seite 2 der heutigen Ausgabe ist Teil der Springer-Kampagne gegen die Tagesschau-App (hier ein Post des Chefredakteurs zum Thema, hier Meedia.de-Texte zum Thema), die zurzeit auf breiter Front gefahren wird. Im Kern geht es ja darum, dass das ARD-Nachrichten-Flagschiff kostenlos auf dem iPhone Nachrichten per Mini-Programm anbieten will. Dagegen laufen vor allem die Springer-Titel und die von ihnen kontrollierten Politiker von CDU und FDP Sturm.
Denn Springer hat in der mal wieder aufgeflammten Debatte um Bezahlinhalte von Verlagen mit der Bild- und der Welt-App vorgelegt und will für die mobile Nutzung auf dem iPhone kassieren. Dabei frage ich mich, welcher iPhone-Nutzer wirklich Bild lesen will.
Aber egal. Auf jeden Fall gab es unter anderem in der Boulevardpostille an Heiligabend einen Artikel, der eine breite politische Front gegen die App unterstellt, heute nach einigen anderen eben die Welt. Wobei die Verquickung für den aufmerksamen Leser wenigstens sichtbar gewesen sein dürfte: In den Artikel war ein Online-Verweis auf welt.de eingebaut, in dem die hauseigene App beworben wurde. Bei der Bild war das eine halbseitige Anzeige, aber viel weiter hinten.
Passend dazu hat das DJV-Magazin „Journalist“ in der Januar-Ausgabe eine Geschichte unter dem Titel „Lackmustest“ zu den Apps gestartet, auf die sich jetzt alle Verlage stürzen und die demnächst wohl auch von der dpa-Tocher infocom individuell angepasst angeboten werden wird. Das Fazit: Am Ende ist es nur ein Hype. Der aber wenigstens für Aufmerksamkeit bei Springer sorgt.
Denn mal ehrlich: Wie viele iPhone-Nutzer gibt es denn überhaupt? Wie groß also ist der Markt? Sicher nicht so groß, dass es sich der Streit sachlich gesehen wirklich lohnt.
Das aber macht ja nicht ernsthaft etwas. Denn es geht, natürlich, um die alte Rivalität zwischen Verlegern, der alles selbst zahlen müssen und daher am liebsten die Nachrichten ohne Journalisten automatisch in alle Medienkanäle geben wollen, und dem öffentlich-rechtlichen System, das gebührenfinanziert Nachrichten verbreitet. Wobei Springers eigene TV-Pläne ja bislang immer gescheitert sind.
Dennoch: Es ist ein von Natur aus ungleiches Verhältnis, das sich erst vor einiger Zeit in der Debatte um die Mediatheken und die Inhalte der ARD-/ZDF-Webseiten niedergeschlagen hat – und in einem blödsinnigen Drei-Stufen-Test endete, den sich die Ministerpräsidenten – auf Druck der gleichen Akteure wie jetzt im App-Streit – gebeugt haben.
Eines vergessen aber Verleger wie ARD- und ZDF-Verantwortliche: Die Nutzer wandern massenhaft von beiden Formen ab. Daher: Nicht über Nichtigkeiten streiten, sondern Konzepte für die Zukunft vorlegen.