Verfasst von: Frank | 2. Dezember 2009

Der Sonntag ist frei, aber…

Ich freue mich immer, wenn sich jemand selbst entlarvt. Neuestes Beispiel ist die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Ortsverband Fischtown, muss ich gestehen. Auch wenn Gewerkschaften wichtig sind, sollten sie auch mal nachdenken, bevor sie den Mund aufmachen. Oder sie widersprechen sich selbst in zwei Sätzen.

Konkreter Anlass: Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts, dass gestern die Adventöffnung in Berlin untersagt hat. Mal abgesehen davon, dass das nur für Berlin gilt, und nur für die Adventsonntage, müssen jetzt alle das gleich auf ganz Deutschland beziehen.

Der Grund liegt im Artikel 140 des Grundgesetzes, der folgenden Teil der Weimarer Reichsverfassung übernimmt.

Artikel 139 WRV

Der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage bleiben als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erbauung gesetzlich geschützt.

Der Fischtowner Verdiraner jedenfalls sieht sich jetzt schon auf der sicheren Seite. Sonntage seien arbeitsfrei. Steht da ja so.

Ist aber nicht so.

Denn es gilt für viele Arbeitnehmer nicht, als Beispiel seien Gastronomienagestellte, Bahnpersonal, Flughafenangestellte, Krankenhauspersonal, Feuerwehr und Polizei genannt. Natürlich auch Journalisten und Fußballprofis. Knapp 25 Prozent der deutschen Arbeitnehmerschaft.

Es scheint, als würden nur Banker, Versicherungsangestellte und Einzelhandelspersonal sonntags immer frei haben und alle anderen ihnen zur Verfügung stehen. Dafür kämpft auch der Gewerkschafter.

„Nicht die Einnahmen zählen und nicht die Kundschaft“, sagt er. Und: „Es würde mich überraschen, wenn es tatsächlich jeweils einen speziellen Anlass für die 20 verkaufsoffenen Sonntage im Mediterraneo gibt.“ Sein Fazit lautet: keine weiteren verkaufsoffenen Sonntage.

Das schreibt die Nordsee-Zeitung zum Thema, das Mediterraneo ist ein maritimes Einkaufszentrümchen. Hier darf an 20 Sonntage im Jahr geöffnet werden, weil es touristisches Gebiet ist. Das steht im Land Bremen als Ausnahme im Ladenschlussgesetz. Berlin hat sich gleich ganz geöffnet. Wie übrigens auch zum Beispiel New York und der Rest der USA, London (und ganz England) darf sechs Sonntagsstunden lang öffnen.

Hier aber ist der Sonntag Tag der Arbeitsruhe und für die seelische Erbauung gedacht. Das vertreten Kirchen und der Fischtown-Verdimann.

Dumm nur, wenn man dann gleich wieder von der eisernen Position abrückt:

Wenn der Senat sie fortsetzen will, müssen Tariflöhne und Sonntagszuschläge her.

Was ja übersetzt nichts anders bedeutet als: Wenn die Kohle stimmt, ist auch Sonntagsarbeit okay.

Das ist konsequent. Oder?


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