Die Überraschung war ja eigentlich gar keine: Vor einigen Tagen meldeten die diversen Branchendienste und der Betreiber selbst, dass die Netzeitung am Jahresende ihr Leben aushauchen wird. Schon vor einiger Zeit wurde das kolpotiert, und so endet das Produkt nicht abrupt, sondern beendet nur ihr Siechtum.
Das aber hat Auswirkungen auf die Branche, und es sind keine guten. Nun hat sich der ehemalige Chefredakteur (und Eigentümer), Michael Maier, in einem Interview mit spreerauschen.net gemeldet. Die interessanteste und richtigste Passage findet gleich in der ersten Antwort:
Michael Maier, die "Netzeitung", die im Jahre 2000 gegründet wurde und von 2003 bis 2005 in Ihren Händen lag, geht zum Jahresende vom Netz. Hat Sie diese Meldung überrascht?
Ja schon, vor allem tut es mir sehr leid um die Mitarbeiter, die sich wirklich unglaublich reingehängt haben und nun auf der Straße stehen. Und natürlich bedaure ich, dass das einstmals meistzitierte Online-Medium Deutschlands auf der Strecke bleibt. Andererseits: Man kann sogar mit wenigen Menschen ein gutes Produkt machen – mit null Menschen dagegen gar nichts.
Genauso ist es. Allerdings setzt das auch voraus, das dies überhaupt gewünscht wird oder aber das Verständnis für die Funktionsweise des Internets vorhanden ist. Und – dieser Punkt ist auch der Wichtigste – der lange Atem von Investoren und Verlagen. Denn es kostet Geld, ein vernünftiges Angebot zu betreiben. Und Personal, wie es auch Maier sieht:
Dann aber sind wir wieder bei einer erstklassigen Redaktionsmannschaft, die dazu völlig unverzichtbar ist?
Ja, das glaube ich auch. Wobei auch der Begriff des "Redakteurs" neu definiert werden muss. Das ist, kulturell gesehen, meiner Meinung nach die schwierigste Aufgabe.
Bei der Netzeitung wird das nicht mehr passieren, auch andere Titel leiden durch die Folgen der sogenannten Wirtschafts- und Finanzkrise unter Anzeigen- und Auflagenrückgang. An Investitionen ist da kaum zu denken – auch wenn sich der Markt rasant verändert. Sicher – nicht jeder ist ein Internet-News-Junkie. Doch die Tendenz steigt kontinuierlich mit der Zahl der Digital Natives.
Auch deshalb sind Maiers Aussagen interessant. Vielleicht stößt das ja auch noch eine Debatte an.
Wünschenswert wäre das.




und worüber soll man bei den Aussagen debattieren? Ist doch nur bla bla…
Von: Ingo am 13. November 2009
um 11:09
“Maiers Aussagen (sind) interessant – Vielleicht stößt das ja auch noch eine Debatte an …”
Fehlt das Bedeutungsvolle von Maier’s Aussagen in diesem Beitrag? Wie Ingo verstehe ich sonst nicht, worüber man da debattieren könnte, sollte …
Von: Hugo E. Martin am 13. November 2009
um 11:47
Okay, das hat der Schreibertool gefressen. Ich muss da nachlegen. Das kommt irgendwann heute Abend wohl ins Netz – noch muss man ja arbeiten
Von: Frank am 13. November 2009
um 11:53
Die erste deutsche Zeitung, die nur im Internet erscheint, steht also vor ihrem endgültigen Aus. Schade, diese Zeitung hat viel druchgemacht. Als Produkt der norwegischen Online-Pioniere hat sie in Deutschland ihre Verlage und Besitzer ständig mit der Hoffnung auf Fortbestand gewechselt.
Es ist wichtig, dass eine Debatte über Online-Zeitungen in Deutschland entsteht. Die Arbeit ist eine völlig andere als in den Print-Medien, was unter anderem Finanzierung, Marketing und Redaktionsarbeit betrifft.
Wie also können neue Online-Zeitung im Internet entstehen? Welche Bedingungen muss es geben? Über diese und auch gerne weitere Fragen würde ich gerne eine Diskussion eröffnen!
Die Geschichte von Netzeitung.de ist bewegt: Im Frühjahr 2000 wurde das Blatt von Nettavisen.no gegründet, den norwegischen Pionieren des Online-Journalismus. Im selben Jahr wurde die Netzeitung.de von Bertelsmann übernommen. Im Jahre 2003 ging das Unternehmen dann an den Chefredakteur und Geschäftsführer der Netzeitung Dr. Michael Maier und Ralf Dieter Brunowsky. Sie bauten es zu einem übergreifenden Nachrichtenunternehmen aus.
Fünf Jahre nach ihrer Gründung kehrte Netzeitung.de wieder zu ihren norwegischen Wurzeln zurück. Im Juni 2005 übernahm das in Oslo ansässige Medienunternehmen Orkla Media die Netzeitung Beteiligungs GmbH und setze sie ins Zentrum ihrer deutschen Mediengruppe.
Ein gutes Jahr lang bildete Netzeitung.de neben der IT-News-Site Golem.de, dem Auto-Portal Auto-News 24.de, dem Berliner Radio-Sender 100,6 MOTOR FM und der zentralen Vermarktungsorganisation Orkla Media Sales den Deutschen Ableger des norwegischen Medienkonzerns.
Von Juli 2007 bis einschließlich März 2009 gehörte Netzeitung.de der BV Deutsche Zeitungsholding GmbH, der Eigentümerin des Berliner Verlags. Die BV Deutsche Zeitungsholding wiederum war Teil der Mediengruppe des britischen Investors David Montgomery und seiner Mecom Group.
Seit April 2009 hat die Netzeitung das Kölner Medienhaus M. DuMont Schauberg als neuen Eigentümer.
Inhaltlich bietet die Netzeitung einen umfassenden Überblick über alle wichtigen Meldungen in den Ressorts Deutschland, Ausland, Wirtschaft, Vermischtes, Sport, Entertainment, Internet, Wissenschaft, Auto und Technik, Arbeit und Beruf, Reise und Wetter. Das Feuilleton sowie zahlreiche Kolumnen zu (tages-)aktuellem Geschehen ergänzen das nachrichtliche Angebot.
Ihre Meinung wird von unserer Redaktion sehr ernst genommen, denn nur so können wir gewährleisten, dass sich Ihre Themen und Interessen in der Netzeitung wiederfinden. (nz)
Von: maria müller am 19. November 2009
um 14:06