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Ein Lob der Geduld

19. Oktober 2009 · Kommentar schreiben

Manchmal bewundere ich Menschen für ihre Geduld beim Zuhören. Das ist auch so ziemlich der Hauptgrund, warum ich niemals am Tresen im Verkauf arbeiten könnte. Denn genau diese Geduld fehlt mir völlig.

Heute sind meine Helden die Mitarbeiter der Apotheke schräg gegenüber. Ich komme rein und möchte Hustenlöser für die Lady kaufen, die sich zurzeit durchs Leben röchelt. Zwei Apothekenfachkräfte hinterm, zwei Kunden vor dem Tresen. Warten ist man ja gewohnt und macht man auch gerne mal. Außer natürlich, es geht an den Schaltern vor einem um wahlweise die Krankengeschichte oder die geplante Kulturreise ins Heilige Land.

Und was war? Klar – die Krankengeschichte im Detail und die Kulturreise ins Heilige Land waren die Themen. Deshalb weiß ich jetzt von zwei mir völlig unbekannten Bremerhavenern eine ganze Menge. Die eine zum Beispiel hat – und das ist nur ein Auszug – Schmerztherapie erhalten, dazu auch starke Schmwerzmittel und viele gute und weniger gute Tipps von mindestens vier Ärzten. Was natürlich alles nicht gewirkt hat.

Mehr kann ich an dieser Stelle aber nicht erzählen, denn gleichzeitig rauschte mir die andere Erzählung inst Ohr. Eine Reise steht bei der mutmaßlichen Oberstudienrätin an. Ins Heilige Land oder sonst wo, Hauptsache man kann sich finden. Das Programm jedenfalls ist zum Abgewöhnen: Meditative Tänze, Gesprächskreise, religiöse Betrachtungen und Kulturgut. Ich bin zwar nun auch nicht der Ballermann-Spezialist, sondern mag mir auch und gerne viel ansehen. Aber das ist definitiv zu viel.

Weil mir die Ohren inzwischen aber ziemlich gepfiffen haben und der Hustenlöser immer noch im Regal auf mich wartete, 15 Minuten aber um waren und das Büro ruft, muss die Lady noch ein wenig länger husten.

Nachher gehe ich nochmal zum Drogen-Dealer*.

Mal sehen, was dann auf mich wartet.

* PS: Drogen kommt ja auch von dröge, also von getrocknet. Medikamente waren vor der Chemie oft getrocknete Pflanzen und Gewürze. Also ist es, um bösen Kommentaren vorzubeugen, äußerst legitim, wenn auch ungewohnt, Arzneien so zu bezeichnen. Nur mal so am Rande erwähnt ;-)

Kategorien: Gesellschaft · Leben
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