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Gedanken nach München: Macht Kampfkunst mutiger?

16. September 2009 · 2 Kommentare

Ich bin ehrlich und immer noch entsetzt über die Schlägergewalt von München. Es ist nicht zu glauben, wie sehr das in dieser Gesellschaft verankert zu sein scheint. Vor allem, wenn wie jetzt berichtet wird, auch noch 15 weitere Personen nicht eingreifen.

Angst wird es gewesen sein, vielleicht auch Desinteresse. Im TV wurde gestern jemand damit zitiert, dass er glaubte, es handele sich um eine Prügelei unter Jugendlichen. Und das ist weniger schlimm? Sicher nicht.

Dieser Vorfall lässt mich nicht los. Ich mache mir Gedanken, ob ich eingreifen würde und wie ich mich wehren könnte. Denn eines ist einmal klar: Wenn man am Boden liegt, hat man ohne Hilfe schon fast verloren.

Nun trainiere ich Karate, mit Pausen seit einer ewig langen Zeit – ein Vierteljahrhundert. Wohlgemerkt: Karate. Die Wettkampfvariante, bei der es böse gesprochen auf schöne Techniken mehr ankommt als auf effektive Selbstverteidigung. Alle Werbung der Vereine hin oder her.

Verteidigen kann man sich damit nicht wirklich, es sein denn, der Gegenüber ist ebenfalls ein Wettkampfkarateka. Ich möchte keinesfalls die Sportler damit angreifen. Sie sind gut, erfolgreich und haben eine Menge drauf. Oft fehlt aber das, was Karate zum Karate-Dô reifen lässt und dieses ausmacht. Die Tiefe des Wissens, die Mehrdimensionalität der Technik. Das habe ich erkannt, spätestens seit der Wahnsinnstat von München.

Erst seit einigen Monaten bin ich wieder regelmäßig im Dojo, nachdem ich die vergangenen drei Jahre kaum Zeit dazu hatte. Doch umso klarer ist mir jetzt, dass ich mich noch viel mehr darauf konzentrieren muss, die Geheimnisse hinter der offensichtlichen Bewegung zu lernen. Das passiert in der Kata, das passiert in den anderen Übungen. Immer und immer wieder. Wettkampf ist – auch passiv – passé. Gut so. Noch besser ist, dass unser Dojo inzwischen nur noch traditionelles Karate-Dô anbietet. Das, was nicht nur auf Ästhetik Wert legt, sondern auf Effektivität.

Ob das in einer Situation wie München hilft? Ich weiß es nicht. Klar, man fühlt sich besser und sicherer. Aber den letzten Mut aufzubringen? Das gehört in die Lehre des Karate-Dô durchaus mit hinein. Oder? Ich weiß auch nicht, ob ich mich besser fühle, wenn ich den anderen, schwierigeren Zugang zu der Kampfkunst meistere. Schön wäre es.

Noch schöner aber wäre es, wenn man die Selbstverteidigung gar nicht erst benötigen würde. Nur leider wird das wohl eine Utopie sein.

Kategorien: Gesellschaft · Kopfschütteln · Leben
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2 Antworten bis hierher ↓

  • Sihing Alex Hammer's Blog // 16. September 2009 um 16:38

    Mut & Kampkunst…

    Der Blog „Gedanken nach München – Macht Kampfkunst mutiger?“ hat mich dazu angeregt nochmals auf das Thema „Mut & Kampfkunst“ einzugehen.
    Was bedeutet Mut in unserer heutigen Gesellschaft? Mut wird oft mit „keine…

  • Micha // 1. November 2009 um 10:30

    Hallo Frank,

    ob ein Kampkkünstler in so einer Situation (Notwehr zugunsten Dritter) helfen kann oder nicht hängt denke ich viel vom Naturell der entsprechenden Person ab. Ich denke aber schon dass von vielen Kampfkünstlern die ihr Training regelmäßig und/oder serh lange betreiben selbst eine gewisse Selbstsicherheit ausgeht, so dass sie erst gar nicht in diese typische Opferrolle reinkommen. Habe darüber übrigens unlängst einen Artikel geschrieben: http://kawonga.de/korpersprache/

    Liebe Grüsse

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