BILDblog vergibt seine Chancen

Aus BILDblog wird „BILDblog für alle“. Ein Watchblog, dass die Fehlentwicklungen in den Medien beobachten und schelten will. Das schreiben die Macher, und nach dem Abgang von Clarissa aka Christoph Schultheis ist ein Wandel wohl nötig.

Aber so?

Dass das nicht immer gefällt, ist selbstverständlich. Meister ist wenig begeistert von der Öffnung und sieht eine Verwässerung der an sich guten Idee. Mal abgesehen, dass ein solches Medien-Watchblog sinnvoll ist und existieren sollte – den Erfolg wage ich zu bezweifeln. Da scheint man auch auf Namen und bisherige Besucherzahlen zu setzen, um noch mehr schelten zu können:

Aber es ging uns nie nur um die „Bild“-Zeitung, sondern um ihre Macht als (trotz allem noch) viel gelesenes und für wichtig genommenes Leitmedium.

Und in der Tat ist der Wechsel beim Aufrufen offensichtlich. Statt dominanten rot sprint einen gelb an.

BILDblog für alle. Screenshot: www.bildblog.de

Dabei ist es dank Stefan Niggemeier bestimmt kein Zufall, dass es wie RP online aussieht – fährt er doch in seinem persönlichem Blog eine Reihe „Dumm wie RP online“. Dass man Links dadurch zwar nicht übersehen, aber auch schlecht erkennen kann, verbuchen wir einfach mal unter Geschmack.

Doch schaut man sich die ersten Einträge des neuen „BILDblog für alle“, so ist es tatsächlich so wie im ersten Satz des neuen Mission-Statements mitgeteilt: „Nicht erschrecken: BILDblog verändert sich. Aber wir bleiben uns treu.“ Also: Das Team macht so weiter wie es aufgehört hat.

Dabei hatte BILDblog die Chance, bloggiger zu werden. Zum Beispiel mit einer Öffnung der Kommentare, ja überhaupt einer Kommentarfunktion, die längst überfällig ist. Was nützt ein Watchblog, wenn die Nutzer nicht Stellung beziehen können? So wirkt es – wie vorher schon – als Magazin einiger weniger Journalisten, die andere Journalisten beobachten. Das ist schade, denn so können mediale Missstände nicht wirklich diskutiert werden.

Denn BILDblog hat eine riesige Reichweite, und es wird auch von Medienmachern gelesen. Würde man es ernst nehmen, über Fehler zu berichten und bewirken zu wollen, dass sich Medien ändern, ist genau das das Werkzeug.

Also ein BILDblog für alle.

Im Wortsinn.

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4 Antworten zu BILDblog vergibt seine Chancen

  1. herbert schreibt:

    ich finde die Ausweitung gut, denn mit der Zeit wurde es doch ziemlich langweilig, immer die gleichen Fehlleistungen der Bild zu lesen und so habe ich nach einiger Zeit aufgehört regelmäßig zu lesen, jetzt will ich dies wieder intensiver machen

  2. stefan niggemeier schreibt:

    mit rp-online hat die farbwahl nichts zu tun. eigentlich soll es eher an einen textmarker erinnern, der dinge hervorhebt. oder post-its mit anmerkungen.

    und es kann durchaus sein, dass wir nochmal den versuch machen, die kommentare zu öffnen. das ist ja keine vergebene chance, sondern höchstens eine noch nicht genutzte. den reiz sehe ich durchaus. die frage ist nur, wie man verhindert, dass sich (ähnlich wie bei heise oder manchmal sogar in meinem eigenen blog) unter jedem eintrag dann hunderte leute austoben, was auch den lesern wenig bringen dürfte (und uns nur arbeit).

  3. Frank schreibt:

    @stefan: Es ist schon richtig, Kommentare können wirklich in Arbeit ausarten.

    Es ist nur so, dass gerade das Medium Blog für eine rein thematische Diskussion sehr sinnvoll ist. Mir ist klar, dass BILDblog ein wahnsinniges Nutzeraufkommen hat und Kommentare nur so prasseln würden; und das Landgericht Hamburg ist ja gerade auch dir selbst bekannt. Ein Forum samt freiwilliger Moderatoren ist auch keine wirkliche Lösung, finde ich. Dennoch: Um eine Beteiligung und damit vielleicht auch eine Veränderung zu bewirken, fände ich eben die Meinungsäußerung gut.

    Verstehe meine Kritik bitte als Anregung, nicht genauso weiterzumachen, sondern das vorhandene zu verbessern und damit etwas zu bewegen. Das wäre schön.

    @herbert: So ging es mir auch mit BILDblog. Es ist auch schon wieder in meinem Feedreader drin, da der inhaltliche Ansatz ja da ist (siehe oben).

  4. Pingback: BILD-Chef Dieckmann entdeckt Persönlichkeitsrecht - Diekmann, BILD, Zukunft, Kaum, Bild-Chef, BILDblog, Persönlichkeitsrecht, Persönlichkeitsrechte - Informelles

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