WAZ will (vielleicht) dpa loswerden – na und?

Welch herber Schlag für den Einheitsbrei, den die Medien in Print und Online zurzeit fahren – sofern sie denn in ihrem überregionalen Teil auf die dpa setzen. Die WAZ-Gruppe erwägt angeblich, aus dem Basisdienstvertrag mit der dpa auszuscheiden. Es soll um ein Volumen von vier Millionen Euro gehen, das der führenden deutschen Agentur flöten gehen könnte.

Welt online, die diese Meldung auf den Markt gebracht haben, berichtet auch über mögliche Folgen: Entweder wird der Abopreis für die anderen dpa-Kunden (Verlage, die Anteilseigner an genau der Agentur sind, der sie Geld dafür geben, dass sie sie mit Nachrichten beliefert – wer macht eigentlich so etwas?) oder aber bei dpa fliegen Leute raus. Was für deutsche Medien ja ein typisches Verhalten wäre.

Dabei ist das Problem auch hausgemacht. Sowohl bei der WAZ, die unter Sparzwang leidet und Personalabbau plant, als auch bei der dpa selbst. Die meisten Kunden sind unzufrieden mit der Leistung: langsam, viele Fehler und folgende Berichtigungen, langweilige Sprache, kein Pepp. Das hört man immer wieder, macht man seine Ohren in der Branche mal auf. Und da ist etwas Wahres dran. Aktuelles Beispiel ist die Geschichte um das mutmaßliche – und dämliche – Obama-Attentatsplänchen zweier hirnloser Ami-Skins. AP hatte die Meldung vor 21.30 Uhr, Reuters eine Stunde später. dpa hat die Geschichte über ihre Infoline um 23.55 Uhr gebracht. Ziemlich armselig, muss man sagen. Überhaupt sind viele andere Agenturen subjektiv (added: 30.10.-14.07 Uhr) besser - ddp zum Beispiel. Was auch ins Bild passt: dpa versetzt gerne mal Mitarbeiter virtuell an die Orte des Geschehens: Da schreibt ein Reporter etwa über Somalia, sitzt aber in Kairo. Für die Agentur kein Problem, aber eine Frechheit. Kunden und Leser nimmt man damit aber auch nicht wirklich ernst, gaukelt ihnen sogar etwas vor.

Darüber sollte sich die Agentur auch einmal Gedanken machen. Denn sonst rennt nicht nur die WAZ-Gruppe zu anderen Agenturen. Übrigens gab es vor Jahren schon einmal eine ähnlich spektakuläre Kündigungsdrohung eines anderen Verlages, der Rheinischen Post, ironischer Weise unter dem jetzigen WAZ-Chefredakteur. Das Blatt sollte damals dann eine Autorenzeitung werden. Ein guter Ansatz. Dem deutschen Journalismus würde das nicht wirklich schaden – weder print noch online.

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2 Antworten zu WAZ will (vielleicht) dpa loswerden – na und?

  1. Christoph Dernbach schreibt:

    Natürlich kann jemand das „subjektive Gefühl“ haben, dass an den dpa-Diensten was auszusetzen ist. Wenn es sich um einen Kunden handelt, bekommen wir das bei dpa auch unmittelbar mit, weil wir auf verschiedensten Ebenen mit den Kunden kommunizieren. Und bei einem Output von über 3000 Meldungen am Tag kann es immer wieder mal Diskussionen um die Qualität eines einzelnen Textes, eines Fotos oder einer Infografik geben.Ich würde bei einem „subjektiven Gefühl“ aber nicht Formulierungen verwenden wie „Die meisten Kunden sind unzufrieden mit der Leistung“.

    Eine aktuelle Untersuchung von der Ludwig-Maximilians-Universität in München (April 2008) belegt genau das Gegenteil (siehe http://www.agenturjournalismus.de/schulzeugnis.html): Dafür wurden 176 Nachrichtenchefs von Print-, Rundfunk- und Online-Redaktionen befragt. Ich habe mal zentrale Ergebnisse der Studie in einer kleinen Präsentation visualisiert: http://tinyurl.com/5uo6j9 Bei den Themen Zuverlässigkeit, Neutralität, Schnelligkeit, Dichte des Korrespondentennetzes, Kooperationsbereitschaft mit dem Kunden und Qualität der Nachrichtenselektion bekommt dpa von den Nachrichtenchefs durchgängig die Bestnoten. Nur beim Thema „Sprache“ üben die Nachrichtenchefs deutliche Kritik. „Sprache“ ist dann auch eines der zentralen Themen des fortlaufenden Qualitätssicherungsprozesses bei dpa für 2008 und 2009.

    Wer Interesse an der Studie im Detail hat, kann sich bei mir melden (christoph.dernbach@dpa-info.com oder christoph@dernbach.com).

    Ich kann dann ein PDF der kompletten Studie weiterleiten. Die Studie wurde übrigens nicht von dpa in Auftrag gegeben oder finanziell gefördert.

    Christoph Dernbach, Chefredakteur dpa-infocom

  2. Frank schreibt:

    Ich gebe zu, diese Formulierung:

    „Ich würde bei einem “subjektiven Gefühl” aber nicht Formulierungen verwenden wie “Die meisten Kunden sind unzufrieden mit der Leistung”.“ ist unglücklich und ich möchte sie hier relativieren.

    Da sich im Punkt „Sprache“ ja einiges tun soll, ist noch Hoffnung ;-) dpa ist nicht schlecht, hat aber eben Verbesserungspotential, wobei sie sich auch durchaus etwas bei der Konkurrenz abschauen kann.

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