Der Friseur hat mir gerade einen vernünftigen Schnitt im Nacken verpasst. Das ist wirklich gut so. Denn sonst würden mir beim Blick in den Fernseher die Nackenhaare zu Berge stehen. Schuld ist ProSieben.
Der Münchener Sender hat sich nämlich zur Volksbildung etwas wahnsinnig Innovatives ausgedacht. Zwei Sendungen, die die Welt nicht braucht äh noch nicht gesehen hat neu sind. Vielleicht haben sie aber auch einfach nur in den Kalender gesehen und sich gedacht: „Ist eh keiner da in der Urlaubszeit“. Einen anderen Grund kann es nicht geben.
Was ist da passiert? Na ja, zum einen ziehen Gülcan Karahanci Kamps und Collien Fernandes aufs Land und ins Netz. Frau sucht Bauer sozusagen, das Gegenstück zu RTLs ländlicher Kuppelshow. Das einfache Leben wollen die beiden Viva-Plaudertaschen (ok, Gülcan ist eher ein Maschinengewehr, die 1000 leere Worthülsen in der Minute abschießt) kennenlernen.
Ach so! Wenn das so ist. Wow! Das ist ja ein Konzept. So neu. Wenn nicht Paris, die Knastschwester mit dem Privatporno, Hilton und Nicole Richie das fünf Staffeln lang in den USA schon getan hätten. „The Simple Life“ hieß das, und es war so plump wie die Heldinnen blond.
Wie sind aber Gülcan und Collien nur auf die Idee gekommen? Vielleicht, weil es bei MTV lief, dem Viva gehört? Ein Schelm, wer da einen Zusammenhang sieht. So oder so – das Ansehen der Sendung ist lebensgefährlich, glaubt man Bichareh. Die Meinungen gehen jedenfalls nicht auseinander: hier ist auch kein Lob zu finden. Warum auch.
Die zweite Sendung ist genauso ein Aufguss, aber dieses Mal wenigstens vom Original – auch wenn das schon Mist war. „Sarah & Marc crazy in love“, Start heute. Die Dokusoap rund um eine Sängerin, die seit Jahren kein Album mit eigener Musik mehr veröffentlicht hat (aber alle mögen), zuletzt durch die Zwillingsschwangerschaft der Mutter Schlagzeilen erhielt und zufällig zur Sendung eine neue Scheibe mit neuen Songs auflegt. Verheiratet ist sie mit einem Beach Boy Amerikaner namens Marc Terenzi. Der veranstaltet auch Horrornächte, die jetzt ins Fernsehen importiert werden.
Sarah Connor übrigens ist auch der Name der Mutter von John. Der soll die Welt retten – wenn ihn nicht der T-800 Typ 101 vorher eliminiert. Und diesen T(erminator) wünscht man sich bei solchen Sendungen immer öfter. Geht aber ja nicht. Also: Darling-Love zur Prime Time. Die erste Staffel endete mit der angeblichen Hochzeit, wobei die beiden zu dem Zeitpunkt schon lange verheiratet gewesen sind. Macht nichts. Probleme mit der Sendung hat Frau Connor jedenfalls nicht. Hurra. Gülcan hat ihre Verehelichung mit dem Bäckererben ja auch bei ProSieben im TV zelebriert. Bleibt wenigstens in der Familie.
Stellt sich nur die Frage, warum man uns so mit dem Krams belämmert. Wer schaut sich das an? Ehrlich, ich bekomme von so etwas Augenkrebs. Das ist weder authentisch noch witzig noch intellektuell noch unterhaltsam. Allerhöchstens der Fremdschämfaktor ist beträchtlich. Wenigstens gibt es hier noch eine Möglichkeit, sich dazu auszulassen.
Das Schlimme ist nur, dass sich das viele ansehen, weil es so trashig ist. Und das bestärkt die Sender.
Ein Teufelskreis.