Sparen trifft immer das, was gut ist. Dieses Gefühl hat man irgendwie jedes Mal, wenn etwas Öffentlich-Rechtliches verschwindet. Aktuelles Beispiel: „Polylux“. Die hervorragende Sendung von Radio Berlin-Brandenburg fliegt zum Jahresende aus dem Programm.
54 Millionen Euro ist der Fehlbetrag laut netzeitung (hier) und medienrauschen.de (hier). Angeblich hätte man die Sendung, nicht aber das ebenfalls gekippte „Radio Multikulti“, weiterproduziert. Aber leider, leider, stimmt die Kohle nicht.
Das Minus entsteht nach RBB-Angaben dadurch, dass im Sendegebiet 14,5 Prozent der Haushalte von der Zahlung der Rundfunkgebühr befreit sind, im ARD-Durchschnitt seien es nur 9,9 Prozent. Hinzu kommen die Abwanderung von Einwohnern aus der Region sowie hohe Forderungsausfälle, also Gebühren, die trotz Mahnungen nicht bezahlt werden. (Quelle: netzeitung.de)
Doch selbst wenn stimmt, was unterstellt wird – nämlich dass in der Region niemand die GEZ-Gebühren, äh Rundfunkgebühren (ich will ja nicht abgemahnt werden und mich aufregen wie andere) zahlt -, das ist ein riesiger Verlust für die Medienlandschaft. Denn Sendungen, die nicht dem Mainstream entsprechen, also nicht tralala und belanglos sind, stehen auch im gebührenfinanzierten Fernsehen unter Quotenkontrolle (okay, „Bruce“ war auch Müll und ist rausgeflogen, aber generell stimmt das). Es wird ja selbst bei Politmagazinen gekürzt, weil sich die junge Zielgruppe lieber bei den Privaten Nicht-Gesangstalente, Zicken-Model-Terror oder sonstigen Reality-Mist ansieht.
Gleiches gilt für das Radio, bei dem bis auf wenige Ausnahmen auch alle Sender glattgebügelte Formatradios sind, die die Charts rauf- und runterspielen, sich über DSDS aufregen und wahrscheinlich schon den Medlock-Regner-Godoj-Einheitsbrei abwechselnd mit Ami-Mucke spielen. Da kann man die Gebührenverweigerer schon verstehen.
„Polylux“ ist also Geschichte wie so viele andere interessante, aber eben nicht quotenbringende Sender. Vielleicht sollten das Gebührenmodell auch Geschichte sein. Denn dann wäre der Wettbewerb wenigstens wirklich gerecht.
Und wir alle hätten 19 Euro mehr in der Tasche.