Kolonialherren von der Weser

Veröffentlicht am 7. März 2008 von Frank in Politik
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Bremer sind Kaufleute, nette Menschen und hanseatisch unterkühlt. Denkt man. Doch Bremer sind auch Kolonialherren. Noch immer. Jedenfalls halten sie sich dafür. Sind sie aber nicht.

Warum? Nun ja. 1827 hat die Stadt Bremen einen Hafen an der Außenweser gegründet: das heutige Bremerhaven. Eine Stadt mit heute über 100.000 Einwohnern. Ziel von Touristen, Sitz des weltweit anerkannten Alfred-Wegener-Instituts, ein Zentrum der Windkraft-Industrie. Und mit einem der umschlagsstärksten Häfen Europas. Viele leitende Angestellte der Bremerhavener Wirtschaftsförderung kommen aus Bremen. Und wohnen dort auch, pendeln nach Bremerhaven. Ebenso der Hafenkapitän.

Und hier beginnt das Problem. Diese Häfen gehören nämlich zum Stadtgebiet Bremens, das Hafenbecken in der Ursprungsstadt zuschütten muss. Die Kohle aus den kolonialen Häfen fließt aber dennoch direkt dorthin.

Bremerhaven ist pleite, benötigt Hilfe. Bremer zahlen also für Bremerhaven. Also dürfen sie auch reinreden, hochnäsig sein, sich für besser halten? So ein Quatsch.

Die Stadt liegt 60 Kilometer entfernt, Grund genug für viele Bremer, nicht in die Kolonie zu kommen. Da hört man von einer Hamburgerin, dass sie sich gerne einmal das Europäische Museum des Jahres 2007, das Deutsche Auswandererhaus, ansehen möchte – ihr aus Bremen stammender Freund sich aber weigert, nach Bremerhaven zu kommen. Nach Bremen aber muss der Bremerhavener selbstverständlich anrücken. Senatoren übrigens lassen sich kaum in Bremerhaven blicken. Warum auch? Hier gibt es ja eh nur Hartz-IV-Empfänger und zurückgebliebene. Dieser Eindruck entsteht jedenfalls.

Und er wird transportiert, von den Medien. Da hört man im Radio – beim öffentlich-rechtlichen, aber extrem provinziellen Musikabspielsender Bremen Vier – vom Moderator mit dem Kampfnahmen Juk, der Dünne , dass die “Harlem Globetrotters” eine tolle Show geboten haben,

allerdings in Bremerhaven.

Was bitte ist daran so schlimm? Das hier Bremerhavener schneller waren als Bremer beim Buchen? Das ist nur ein Beispiel. Spitzensport aus Bremerhaven geht unter Werder unter, dabei hat die Kolonie Tanzweltmeister (muss sie sich mit Bremen teilen), Zweitligisten im Eishockey (Bremen nicht) und Basketball-Bundesligisten (Bremen erst recht nicht).

Hält das Radio aber nicht ab, von “unseren Eisbären” zu sprechen und sie in Bremen zu verorten. Der gleiche Sender berichtet über einen Auftritt von Atze Schröder(r) in der Hansestadt und das der ausverkauft ist. Schön für Atze Schröder(r) und sein Konto. Es gibt auch Zusatztermine. Der in der Schwesterstadt kommt allerdings nicht vor. Ist ja auch in Bremerhaven. Bei dem Sender geht es so weiter. Andererseits: Von Politik haben die eh keine Ahnung.

Beispiele:

Was macht die eine Stimme Bremens im Bundesrat schon aus? (Hieß es vor Jahren in einer Wahlsendung. Richtig sind drei Stimmen)

oder auch

Die Lokführer wollen ab Sonntag in ganz Deutschland streiken. Das nennt man Generalstreik. (Macht man allerdings nicht. Denn das ist laut Wikipedia eine Streikaktion der gesamten Arbeiterschaft und heute auch anderer Bürger eines Landes oder einer Region. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts favorisierte die anwachsende internationale Arbeiterbewegung den Generalstreik für die Durchsetzung ökonomischer oder politischer Ziele. Zuletzt in der Weimarer Republik.)

Wisst ihr was? Euer Sender juk-t mich nicht mehr. Euer Gehabe auch nicht. Ich bin Bremerhavener. Und, man glaubt es kaum und trotz unserer Politiker, sogar stolz drauf. 

Kommentare
  1. Martin sagt:

    Machst du es dir nicht ein bisschen einfach? In den letzten Jahren hat sich viel getan in Bremerhaven und im Verhältnis zu Bremen. Dazu gehören aber eben auch zwei. Und so arrogant wie die Bremer teilweise (!) gegenüber Bremerhaven auftreten (im übrigen auch gegenüber ihren Umlandgemeinden), so mäkelig verhalten sich viele Bremerhavener gegenüber Bremen. Was bringt uns das Singen des alten Liedes, die Häfen gehören Bremen und wir fühlen uns unterdrückt? Nichts. Die Häfen boomen und davon profitieren Bremerhaven und Bremen. Die hohen Investitionen der letzten Jahre sind gemeinsam (!) von Bremer und Bremerhavener Politikern in Bremen beschlossen worden. Und ich jedenfalls begegne immer mehr Menschen in Bremen, die gerne nach Bremerhaven fahren, in den großartigen Zoo, ins DAH, in den Hafen, in den Fischereihafen, etc.

  2. frank-bhv sagt:

    Hallo Martin,

    das bestreite ich nicht. Ich beziehe mich ja auch auf einzelne, aber bei bestimmten Personen wieder gehäuft auftretende Ereignisse. Die nerven mich einfach. Dass die Politik schon besser geworden ist, ist begrüßenswert – du bist ja auch nicht ganz unbeteiligt ;-)

    Ich finde es gut, wenn sich alles jetzt verbessert, nur der Weg ist noch sehr lang. Es ist vor allem schön, wenn immer mehr “Pfeffersäcke” anreisen, um die Veränderungen in der Stadt zu genießen.

    Vielleicht wird der Kolonialherr ja doch in absehbarer Zeit zu einem Partner. So sollte es sein.

  3. [...] offenbar ohne Hirn geboren. Gestern verteidige ich noch die Bremer – bei  Na Blogo – und heute werde ich via TAZ BREMEN eines besseren [...]

  4. [...] zu versehen, dass einen solchen tollen Ruf hat, ist irgendwie unlogisch. Oder neidet hier ein Kolonialherr den Erfolg der Tochterstadt? Segler ohne Bremen-Bezug gibt es doch [...]

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