Ich mag den Kleinen. Er ist immer da, wenn man ihn braucht, er stört nicht, sondern verbindet. Ok, keine Völker. Aber Worte. Und Worte sind mächtig. Er verbindet also die Worte, der Bindestrich. Die Ehe der Begriffe, die er dadurch stiftet, ist dauerhaft, sinngebend und einfach nur eindrucksvoll.
Doch leider kommt der kleine Kerl immer mehr in Bedrängnis, fällt immer häufiger einfach weg. Ja er ist sogar eine gefährdete Art. Da wird dann, flugs und ohne Not, einfach mal Weißraum statt schwarzem Strich verwendet. „Diese Filiale wird VIDEO überwacht“, springt es einem in den Läden einer Duftkette entgegen. Das „Service Center“ bietet seine Dienste an. Oder das „super Talent“ wird gesucht. Unternehmen und Institutionen verzichten auch immer öfter. „St. Joseph-Hospital“ heißt es dann zum Beispiel. Eine Verbindung ist das jedenfalls nicht.
Es ist schon traurig, was man dem Kerlchen antun kann. Er stört doch niemanden, er tut nicht weh. Und eigentlich muss er, so will es die Grammatik, bei Kombinationen von mindestens drei Worten auch zwingend gesetzt werden. Es ist zum Heulen.
Geben wir dem Bindestrich also noch einmal eine Chance, seine verbindende und sinnstiftende Wirkung zu entfalten. Schade wärs, würde er verschwinden.
Auch, wenn in diesem Text nur ein einziger Bindestrich vorkommt.